Private MarketsGrundlagen

Einführung in Private Markets – Investieren abseits der Börse

Private Markets sind Investments abseits der Börse – in nicht börsennotierte Unternehmen, private Kredite oder reale Assets wie Infrastruktur, mit längeren Haltedauern und anderen Bewertungsregeln als bei Aktien oder ETFs. Dieser Artikel erklärt dir die Grundlagen aller Private-Markets-Anlageklassen, wie Fonds funktionieren und für wen sich ein Einstieg eignet – quellenbasiert, ohne Produktempfehlungen.

Februar 2025Lesezeit ca. 27 Minuten

Beitrag zuletzt aktualisiert am: 28. Juni 2026

Überblick

Private Markets (Privatmärkte) sind Anlagen, die nicht an öffentlichen Börsen gehandelt werden. Dazu gehören Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen (Private Equity), private Kredite (Private Debt) sowie Infrastruktur-Investments und Immobilien. Der Zugang erfolgt typischerweise über Fondsstrukturen oder größere Direktbeteiligungen.

Public vs. Private Markets: die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Merkmal
Public Markets (börsennotiert)
Private Markets (nicht börsennotiert)
Handelbarkeit
laufender Handel an Börsen
kein Börsenhandel; Transaktionen außerbörslich (OTC)
Liquidität
hoch (oft täglich handelbar)
niedrig; Kündigungsfristen/Lock-ups
Bewertung
Marktpreise in Echtzeit
Bewertung periodisch (z. B. quartalsweise), modell-/gutachtenbasiert
Zugang & Tickets
breit zugänglich, kleine Beträge möglich
häufig über Fonds; Mindestanlage und Eignungsvorgaben je Vehikel
Zeithorizont
flexibel
langfristig (Jahre), Kapitalbindung üblich
Renditetreiber
Marktrenditen, Unternehmensgewinne, Zinsen
Illiquiditäts-/Komplexitätsprämien, aktive Wertschöpfung, strukturierte Cashflows

Kurzfazit: Privatmärkte sind außerbörsliche Anlagen, die häufig über Fonds zugänglich sind. Typisch sind lange Kapitalbindung, geringere Liquidität und periodische Bewertungen.

Dieser Artikel gibt dir einen vollständigen Einstieg: von der Grundmechanik über die verschiedenen Strategien bis hin zu Renditeerwartungen, Risiken und dem konkreten Zugang als Investor.

Das erwartet dich in diesem Beitrag: Für deinen Einstieg kannst zwischen einer kurzen Einführung (ca. 5 Minuten) oder einer ausführlichen Variante (ca. 25 Minuten) wählen:

Finanzbildung | Keine Anlageberatung | Keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Anlagen.

Was sind „Private Markets“?

Private Markets bedeutet: Investieren außerhalb der Börse. Investiert wird typischerweise über Fonds oder direkte Beteiligungen in nicht-börsennotierte Unternehmen (z. B. Private Equity, Venture Capital), private Kredite (Private Debt) oder reale Assets wie Infrastruktur oder Immobilien.

Stell dir den Verkauf von 100 Aktien eines bekannten Unternehmens und den Verkauf eines einzigartigen, handgefertigten Möbelstücks vor. Die Aktien kannst du in Sekunden zu einem transparenten Marktpreis verkaufen, weil es jederzeit viele Käufer und Verkäufer gibt. Beim Möbelstück ist der Käuferkreis viel kleiner: du brauchst den richtigen Interessenten, führst Gespräche, verhandelst – und wartest im Zweifel länger.

Genau dieser Unterschied ist der Kern von „Illiquidität“: nicht jederzeit verkaufen zu können – zumindest nicht schnell und sicher zum „fairen“ Preis. Das ist nicht automatisch schlecht: Wer Zeit hat, sich sehr gut auskennt und Zugang zu den richtigen Marktteilnehmern und Interessenten hat, kann in illiquiden Märkten oft ein attraktives Renditepotenzial erzielen.

Private Markets funktionieren ähnlich. Private-Markets-Investments werden nicht an öffentlichen Börsen gehandelt. Statt täglicher Kurse investierst du typischerweise über professionell gemanagte Fonds in nicht-börsennotierte Unternehmen, private Kredite oder reale Assets wie Immobilien und Infrastruktur. Die Investitionen sind oft an langfristige Projekte gebunden und können nicht kurzfristig in Bargeld umgewandelt werden. Sie gehen daher in aller Regel mit längeren Haltedauern einher. Aus diesem Grund nennt man diese Investments auch „illiquide Kapitalanlagen“.

Weniger Handelbarkeit bedeutet neben längerer Haltedauer auch, dass für Private-Markets-Investments andere „Spielregeln“ bei Preisfindung, Wertentwicklung und Renditetreibern als bei Aktien/ETFs gelten. Renditen kommen typischerweise nicht primär aus Börsenkursen, sondern z. B. aus aktiver Wertsteigerung (Private Equity/Venture Capital), Kreditprämien (Private Debt) oder langfristigen Cashflows (Infrastruktur). Der Trade-off: du kannst nicht jederzeit verkaufen wie bei einem ETF.

Der größte Unterschied zu Aktien/ETFs ist Illiquidität + Zeit – du investierst langfristig, um Zugang zu Chancen abseits der Börse und zusätzlichen Renditetreibern zu bekommen, dafür akzeptierst du eine längere Kapitalbindung, mehr Komplexität und höhere Kosten.

Du investierst also nicht, um „schnell zu handeln“, sondern um langfristig Chancen zu nutzen, die an der Börse so nicht zugänglich sind. Ob sich das lohnt, hängt stark von deiner Situation ab: Anlageziel, Liquiditätsbedarf, Risikotoleranz – und bei Fonds ganz wesentlich von der Manager- und Strategieauswahl.

Zur Orientierung drei schnelle Checks:

Zeit:
Kannst du Kapital langfristig binden?
Liquidität:
Hast du außerhalb davon genug Puffer?
Verständnis:
Bist du bereit, Fondsmechanik und Kosten zu akzeptieren?

Warum sind Private Markets relevant?

Private Markets sind relevant, weil du damit Anlagechancen außerhalb der Börse erschließen kannst – etwa Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen oder reale Projekte wie Infrastruktur. Dadurch können dir zusätzliche Renditequellen erschlossen werden (z. B. aktive Wertsteigerung oder vertraglich planbare Cashflows), die dein Portfolio breiter diversifizieren.

Diversifizierung ist wichtig, weil du dein Geld auf mehrere unterschiedliche Anlagen verteilst, die sich nicht immer gleich bewegen. So hängt dein Ergebnis weniger von einem einzigen Markt oder Zeitpunkt ab: Läuft ein Baustein schwächer, können andere das teilweise ausgleichen – das kann Schwankungen reduzieren und das Portfolio stabiler machen (ohne Garantie).

Der Preis dafür: weniger Flexibilität (Geld ist länger gebunden), mehr Komplexität und meist höhere Kosten. Deshalb können sich Private-Markets-Investments vor allem als langfristige Beimischung eignen – nur mit ausreichendem Liquiditätspuffer.

Einordnung in Zahlen: Wie groß sind Private Markets im Vergleich?

Private Markets sind kein Nischenthema. Zum Vergleich: ihr Volumen liegt in der Größenordnung der globalen ETF-Industrie – gemessen am gesamten investierbaren Weltmarkt (Globales Market Portfolio) bleiben sie aber ein kleiner Baustein.

Private Markets Volume vs. GMP vs. EFT_2026, Einordnung in Zahlen: Wie groß sind Private Markets im Vergleich?
KategorieWert (USD tn)Stichtag/ZeitraumDefinition
Global Market Portfolio (GMP) – Total market value19131.03.2025Gesamter Marktwert des globalen Marktportfolios
Private Markets – Assets under Management22~2024AuM in Private Markets
Global ETFs – Assets under Management2031.12.2025AuM globaler ETFs

Quellen: [SSGA]; [ETFGI]; [PF CFO]. Erläuterung: GMP = der weltweit investierbare Gesamtmarkt. AUM = „verwaltetes Vermögen“. ETFs sind nur ein Zugangsweg zu Märkten wie Aktien und Anleihen. Private-Markets-AUM und ETF-AUM sind beides „Ausschnitte“ aus dem investierbaren Weltmarkt (GMP) – Private Markets nach Art der Anlage, ETFs nach dem Anlagevehikel.

Welche Anlageklassen gehören zu den Private Markets?

Im engeren Sinne meint Private Markets vor allem nicht-börsennotierte Anlagen, die meist über Fondsstrukturen investiert werden — z. B. Private Equity, Venture Capital, Private Debt, Infrastruktur und Immobilien. Daneben gibt es weitere alternative Assets wie Kunst oder Rohstoffe, die zwar ebenfalls „alternativ“ sind, aber anders funktionieren (Liquidität, Bewertung, Regulierung).

Kern-Private-Markets (typische Fondsanlagen)

Private Equity (Unternehmensbeteiligungen)

Was ist das?
Private Equity bezeichnet Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen. Investoren stellen Eigenkapital bereit und werden Miteigentümer.

Beispiel:
Ein Investor beteiligt sich an einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen, das neue Produktionsstandorte aufbauen möchte, aber nicht an der Börse notiert ist.

Eine ausführliche Einführung zu Private Equity findest du in unserem Private-Equity-Artikel →

Venture Capital (Frühphasenfinanzierung)

Was ist das?
Venture Capital ist eine Sonderform von Private Equity, die sich auf junge, innovative Unternehmen konzentriert.

Beispiel:
Ein Investor finanziert ein Start-up, das eine neue Software oder eine technische Innovation entwickelt, bevor es Gewinne erwirtschaftet oder an die Börse geht.

Eine ausführliche Einführung zu Venture Capital findest du in unserem Venture-Capital-Artikel →

Private Debt (Private Kredite)

Was ist das?
Private Debt sind Kredite außerhalb des klassischen Bankensystems, die direkt von Investoren an Unternehmen oder Projekte vergeben werden.

Beispiel:
Ein Logistikunternehmen finanziert den Bau eines neuen Lagers nicht über eine Bank, sondern über einen privaten Kreditfonds.

Eine ausführliche Einführung zu Private Debt findest du in unserem Private-Debt-Artikel →

Infrastructure Investments (Infrastrukturinvestitionen)

Was ist das?
Investitionen in wirtschaftlich genutzte Infrastruktur, die für das tägliche Leben notwendig ist.

Beispiel:

  • Autobahnen und Schienennetze (Transportinfrastruktur)
  • Windparks, Photovoltaikparks, Kraftwerke, Stromnetze, Umspannstationen (Energieinfrastruktur)
  • Glasfasernetze und Funktürme (Kommunikationsinfrastruktur)
  • Schulen, Universitäten, Verwaltungsgebäude, Krankenhäuser (soziale Infrastruktur)

Eine ausführliche Einführung zu Infrastruktur-Investments findest du in unserem Infrastruktur-Artikel →

Real Estate (Immobilien)

Was ist das?
Investitionen in Immobilien oder Immobilienportfolios.

Beispiel:
Ein Fonds kauft und verwaltet Bürogebäude, Logistikimmobilien oder Wohnanlagen, ohne dass diese über börsennotierte Immobiliengesellschaften gehalten werden.

Was bedeutet „Illiquidität“ in privaten Märkten?

Illiquidität ist kein Entweder-oder – sie verläuft entlang einer Skala von sehr liquide bis stark gebunden. Je nach Produkt kannst du Anteile täglich handeln (z. B. ETFs/Aktien), eingeschränkt handeln (z. B. ELTIFs/offene Infrastrukturfonds mit Kündigungsfristen) oder bist über Jahre gebunden (z. B. geschlossene Private-Markets-Fonds, Direktbeteiligung an nicht börsengelisteten Unternehmen). Die folgende Übersicht zeigt das vereinfacht – damit du sofort ein Gefühl für den Unterschied bekommst.

Liquiditäts-Skala (Illustration)
Sofort verfügbarKurz gebunden / BörsentäglichMit FristenDirektanlagenIlliquide Fonds
BeispieleBargeld, Girokonto, TagesgeldGeldmarktfonds, Aktien, Anleihen, ETFs, offene InvestmentfondsFestgeld, offene Immobilienfonds, ELTIFs/offene Infrastrukturfonds/Private-Markets-Fonds (Evergreen)Direktbeteiligung an PE/VC-Unternehmen (Einzeldeal), direkte private Kredite, direkte Infrastruktur-Anlagen (Wind/Solar/Netz/PPP), DirektimmobilieGeschlossene Fonds (Closed-End), klassische PE-Fonds und VC-Fonds, Private-Debt-Fonds
Wie schnell komme ich ans Geld? (typisch)sofort bis 1 TagVerkauf/Anteilrückgabe oft 1–2 Banktage (Fonds teils einige Tage)Festgeld: bis Laufzeitende (2–24 Monate), andere Produkte: Rückgabe oft nur periodisch + Kündigungsfristtypischerweise mehrere Monate, teils länger (1–2 Jahre)meist 7–12+ Jahre gebunden, Rückflüsse oft erst nach Jahren

Hinweis: Zeitfenster sind Orientierungswerte. Details können je Produkt/Anbieter abweichen.

Warum sind Private-Markets-Investments „illiquide“?

Der wichtigste Grund: Private-Markets-Investments werden typischerweise nicht über eine Börse gehandelt. Dadurch gibt es weniger Käufer/Verkäufer.

Dazu kommen weitere Faktoren:

  • Geringe Markttiefe: Es existiert nur ein begrenzter Kreis potenzieller Käufer für diese spezifische Anlageklasse. Dies kann auf die Komplexität der Anlage, ihre Nischeneigenschaft oder einfach auf eine geringe Bekanntheit zurückzuführen sein.
  • Hohes Investitionsvolumen: Investitionen in illiquide Anlagen erfordern viel Kapital und können daher häufig nur von großen Kapitalsammelstellen wie Versicherungsunternehmen, Banken, Investmenthäusern, Vermögensverwaltern oder sehr vermögenden Privatanlegern und Family Offices getätigt werden. Es gibt allerdings mittlerweile auch Möglichkeiten für Privatanleger, sich mit kleinen Beträgen über Fonds, Crowdfunding oder Bürgerbeteiligungen an bestimmten illiquiden Anlagen wie Immobilien, Infrastrukturprojekte oder Venture Capital zu beteiligen.
  • Lange Laufzeiten: Viele illiquide Anlagen gehen mit langen Laufzeiten einher, die oft mehrere Jahre betragen.
  • Hohe Komplexität und spezifische Marktkenntnisse: Für den Kauf, das Management und den Verkauf von illiquiden Anlagen sind spezielle Marktkenntnisse erforderlich.

Fondsmechanik: Wie funktionieren Private-Markets-Fonds?

Im Private-Markets-Bereich gibt es unterschiedliche Wege zu investieren – und welche du nutzen kannst, hängt stark davon ab, ob du als institutioneller Investor oder als Privatanleger investierst.

  • Institutionelle Investoren haben meist die größte Auswahl: Sie investieren häufig direkt in Projekte, Unternehmen oder Kredite oder indirekt über Fondsstrukturen – sowohl geschlossene Fonds (klassisch) als auch teils offene Fonds (Evergreen)-Lösungen.
  • Privatanleger kommen dagegen in der Regel über offene Fonds (z. B. ELTIFs, offene Infrastrukturfonds) in Private Markets hinein.

Bevor du in Private Markets investierst, lohnt sich ein Blick auf die Fondsmechanik – also darauf, wie dein Geld in Fonds fließt und wann (und unter welchen Regeln) du wieder an dein Kapital kommst. Nachfolgend werfen wir einen Blick auf die Fondsmechanik von offenen und geschlossenen Private-Markets-Fonds.

Offene Private-Markets-Fonds

Privatanleger investieren in Private Markets über „offene“ Fonds. Diese Fonds sind „dauerhaft geöffnet“, aber nicht so liquide wie ETFs.

Einzahlung:
Du investierst i. d. R. direkt (Einmalbetrag oder Sparplan) – dein Geld wird zeitnah angelegt oder kurz als Liquidität vorgehalten.
Laufzeit:
Es gibt oft kein fixes Fonds-Ende. Der Fonds investiert fortlaufend. Du baust Vermögen über viele Jahre auf – eher „Sparen/Planen“ als „Traden“.
Bewertung:
Es gibt meist keinen täglichen Börsenpreis. Der Wert des Fondsvermögens (Net Asset Value oder auch NAV) wird durch Bewerter (häufig Wirtschaftsprüfer) quartalsweise bewertet. Daraus wird ein Wert je Fondsanteil ermittelt, der bis zur nächsten Bewertung in Bezug auf die erwartete Wertsteigerung fortgeschrieben und zum Beispiel täglich veröffentlicht wird.
Rückgabe:
Rückgaben sind häufig nur zu festen Terminen möglich und oft mit Kündigungsfrist verbunden. Wie Mindesthaltefrist, Kündigungsfrist und Gate bei ELTIF, OIF und OSIV konkret zusammenwirken – und wann du wirklich an dein Geld kommst – erklärt dieser Artikel: ELTIF Rückgabe und Illiquidität: Was Private-Markets-Fonds von Börseninvestments unterscheidet →
Liquidität im Fonds:
Damit Rückgaben funktionieren, hält der Fonds meist Liquiditätspuffer (Cash/kurzlaufende Anlagen). Das macht den Fonds „rückgabefähig“, kann aber Rendite kosten, wenn zu viel Cash uninvestiert bleibt.
Ausschüttung:
Je nach Anteilklasse gibt es Ausschüttungen (z. B. jährlich) oder Thesaurierung (Erträge bleiben im Fonds und erhöhen den NAV). Rückflüsse kommen typischerweise aus laufenden Cashflows (z. B. Infrastruktur-Erlöse, Zinsen) und/oder aus Verkäufen/Refinanzierungen.
Wenn du nur einen Punkt mitnimmst:

Offene Private-Markets-Fonds sind keine ETFs: du bekommst Private-Markets-Zugang über einen von Bewertern ermittelten Net Asset Value (NAV) – und akzeptierst dafür Rückgabe-Termine und Kündigungsfristen statt „jederzeit Verkauf zum Börsenkurs“.

Beispiel: Du investierst 10.000 € in einen offenen Private-Markets-Fonds. Der Fonds kauft über Monate mehrere Beteiligungen an nicht an der Börse gelisteten Unternehmen. Der Wert des Fonds wird z.B. quartalsweise durch Bewerter ermittelt. Der Anteilswert wird täglich veröffentlicht. Wenn du nach 2 Jahren Geld brauchst, kannst du die Rückgabe erklären – mit zum Beispiel 12 Monaten Kündigungsfrist. In einer Marktstressphase kann der Fonds Rückgaben verschieben (Gate), sodass nicht alle Anleger sofort vollständig raus können.

Vergleich offene und geschlossene Private-Markets-Fonds

Große institutionelle Investoren (Versicherungen, Pensionskassen, Versorgungswerke) investieren in Private Markets oft über geschlossene Fonds. Die Unterschiede zu den offenen Fonds sind nachfolgend dargestellt:

Vergleich offene und geschlossene Private-Markets-Fonds

Offene Fonds
(Privat- und institutionelle Investoren)
Geschlossene Fonds
(institutionelle Investoren)
GrundideeDauerbetrieb: laufend investieren und laufend realisieren, meist ohne fixes Ende.Fester Fonds-Lebenszyklus: Kapitalzusagen → Investitionsphase → Erntephase → Fondsende.
EinzahlungSofortige Einzahlung (Einmalbetrag/ Sparplan)Commitment + Capital Calls: du zahlst nicht alles sofort ein, sondern wenn investiert wird.
LaufzeitKein fixes Fondsende (Evergreen).Fixes Fondsende; typisch 8–12+ Jahre (länger möglich).
BewertungKein täglicher Börsenkurs; Bewertung periodisch (z.B. quartalsweise).Kein täglicher Börsenkurs; Bewertungen periodisch (z. B. quartalsweise).
AusstiegRückgaben zu Terminen + Kündigungsfrist, in Stressphasen ggf. Aufschub.Ausstieg (Exit) meist erst nach Jahren mit Verkauf der Fonds-Assets; ggf. Verkauf der Fondsanteile über Zweitmarkt möglich.
Liquiditäts-managementMindest-Cash-Puffer, um Rückgaben bedienen zu können.Kaum Rückgabe-Druck, da Kapital gebunden; Liquiditätssteuerung über Abrufe und Ausschüttungen.
RückflüsseKombination aus laufenden Cashflows (z. B. Zinsen, Dividenden) und Realisierungen.Hauptsächlich durch Exits/Verkäufe der Fonds-Assets (PE/VC) bzw. Tilgung/Verkauf (Private Debt) plus laufenden Cashflows (z. B. Zinsen, Dividenden).
J-Curve / StartphaseHäufig kaum J-Curve-Effekte, aber Startphase kann dennoch „zäh“ wirken (Portfolioaufbau, Gebühren).J-Curve-Effekt stärker ausgeprägt (Gebühren + späte Wertsteigerung/Exits).
Passender MindsetLangfristiges Investment, aber mit „geregelter Rückgabe“ statt Totalbindung – aber keine ETF-Liquidität.Langfristiges Investment, geringe Flexibilität, Fokus auf Commitments und Laufzeit.

Hinweis: Ausgestaltung variiert je Produkt. Begriffe wie z. B. „Evergreen“ und „Kündigungsfrist“ sind nicht standardisiert und sollten immer im jeweiligen Verkaufsprospekt geprüft werden. Wie genau Capital Calls bei klassischen geschlossenen Fonds funktionieren, erfährst du hier „Private Equity – Wie funktioniert ein PE-Fonds?“

Welche Chancen bieten private Märkte – wann genau?

Private-Markets-Investments sind kein „Rendite-Automat“. Aber sie können dir im Portfolio Dinge liefern, die du über Investitionen in Aktien oder ETFs oft nur eingeschränkt bekommst – wenn du Zeit mitbringst und die Produktmechanik verstehst.

  • Zugang zu nicht börsennotierten Assetklassen: Viele Unternehmen, Projekte oder Kreditfinanzierungen sind gar nicht an der Börse verfügbar – du erreichst also mit Private-Markets-Investments Bereiche, die sonst „unsichtbar“ für den Anleger bleiben. Beispiel: Ein mittelständisches Softwareunternehmen, das nicht an der Börse gelistet ist, finanziert sich über Private Equity.
  • Längerer Anlagehorizont = andere Werthebel: Weil Kapital länger gebunden ist, können die Fondsmanager operativ mit den Assets arbeiten (Wachstum, Expansion), statt nur auf kurzfristige Kurse zu schauen.Beispiel: Private Equity verbessert aktiv über Investitionen und Management den Vertrieb und die Internationalisierung des Unternehmens – Wert des Unternehmens entsteht über Jahre.
  • Diversifikation jenseits der Börse: Die Werte von Private-Markets-Investments können sich anders „bewegen“ als börsennotierte Werte – nicht weil sie „besser“ sind, sondern weil Bewertung und Handel anders funktionieren.Wichtig: Das ist keine Garantie, aber ein möglicher Diversifikations-Effekt.
  • Strukturierte Cashflows (je nach Anlage): Gerade Infrastruktur und Private Debt können – je nach Struktur – planbarere Zahlungsströme liefern als Aktien. Beispiel: Infrastruktur kann über langfristige Verträge Einnahmen generieren; Private Debt über Zinsen.
  • Einfluss durch aktives Management: In Private Markets ist der Fondsmanager oft „näher am Asset“ (operativ, vertraglich, direkte Einflussnahme). Das kann Chancen erhöhen – und macht Qualität des Fondsmanagements zentral. Merksatz: In Private Markets ist die Manager-Auswahl daher oft wichtiger als das Timing.
  • Inflationsschutz: Private-Markets-Investments können je nach Asset-Klasse und Vertragsstruktur einen gewissen Schutz vor Inflation bieten — etwa wenn Infrastruktur-Verträge inflationsindexierte Einnahmen vorsehen.
  • Resilienz und Risikoreduzierung: du würdest vermutlich eher auf einen Restaurantbesuch verzichten, als zu Hause die Heizung oder das Licht auszuschalten. Das kann – insbesondere im Bereich der Infrastruktur-Investments – zu einer stabileren Nachfrage beitragen. Der Volkswirt würde sagen: ‚Die Nachfrage ist weniger elastisch.‘
  • Nachhaltigkeit: Investitionen im Bereich der Infrastruktur bieten oft die Möglichkeit, nachhaltige Investments zu tätigen. So tragen Windparks und Solarparks beispielsweise zu einer Senkung des CO2-Fußabdrucks bei. In dieser Assetklasse sind auch Investments in diverse soziale Bereiche möglich (Schulen, Universitäten, Krankenhäuser etc.).

Risiken von Privatmarktanlagen – worauf sollte man achten?

Die wichtigsten Risiken in Private Markets sind selten „mysteriös“ – sie sind meistens produktbedingt und planbar, wenn du die Regeln kennst.

  • Kapitalbindung (Illiquidität): du kommst nicht jederzeit raus. Je nach Produkt gibt es Kündigungsfristen, Rückgabefenster, Limits oder sogar Aussetzungen. Check: „Wie schnell bekomme ich im Ernstfall Geld zurück – realistisch?“
  • Bewertung/Transparenz: Werte entstehen nicht aus Börsenkursen, sondern aus Bewertungsmodellen (z. B. NAV). Das kann stabiler wirken, ist aber weniger „marktgetestet“ – Fachbegriff dafür ist Bewertungsopazität. Check: „Wie wird bewertet? Wie oft? Wer prüft das?“ Eine ausführlichere Einordnung findest du hier „Private Equity – Chancen und Risiken“
  • Manager-Risiko: Ergebnis und Risiko hängen stark vom Fondsmanager ab (Deal-Auswahl, Struktur, Monitoring, Exit-Strategie). Check: Track Record, Team-Stabilität, Strategie-Disziplin, Managementregeln und „Good Practice“ (Governance). Zur Bedeutung der Auswahl des Fondsmanagern findest du weitere Informationen hier „Private Equity – Chancen und Risiken“
  • Kosten & Komplexität: Gebühren sind oft mehrstufig. Entscheidend ist, was nach Kosten beim Anleger ankommt. Check: „Welche Gesamtkostenquote ist realistisch – und wofür zahle ich?“ Mehr Informationen zur typischen PE-Gebührenstruktur („2 and 20“) findest du hier „Private Equity – Wie entsteht Rendite?“
  • J-Curve/ Timing-Effekte: Gerade bei geschlossenen Fonds können anfänglich Kosten und Aufbauphase die Performance belasten, bevor Werthebel greifen. Check: „Wann erwarte ich Ausschüttungen? Was passiert in den ersten 2–3 Jahren?“ Die drei Phasen der J-Kurve im Detail findest du hier „Private Equity – Wie funktioniert ein PE-Fonds?“
  • Konzentrationsrisiken: Manche Produkte investieren in wenige Assets/ Deals – das erhöht die Schwankung. Check: „Wie breit ist das Portfolio? Welche Klumpen gibt es?“
  • Regulatorik & Struktur: Besonders bei „semi-liquiden“ Vehikeln (Evergreen/ ELTIF) sind die Produktregeln entscheidend (Kündigungsfristen, Aussetzungen). Check: „Welche Situationen erlauben Einschränkungen der Rückgabe?“ Eine ELTIF-Einordnung für PE-Fondsinvestoren findest du hier „Private Equity – Wie können Privatanleger investieren?“

Das größte Risiko ist selten „Private Markets“ an sich – sondern ein Produkt zu kaufen, dessen Regeln du nicht verstanden hast.

Für wen sind Investments in private Märkte geeignet?

Private Markets können passen, wenn du drei Voraussetzungen erfüllst: Zeit, Liquiditätsplanung und Verständnis der Mechanik.

Selbsttest zur Orientierung (2 Minuten)

Hinweis: Das ist eine Checkliste zur Orientierung (Zeit, Liquidität, Produktverständnis) – keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf konkreter Anlagen.

Zeit:
Kann das Geld wirklich lange unberührt bleiben? (realistisch, nicht „theoretisch“)
Liquidität:
Hast du genügend Puffer in Bezug auf Bargeld oder kurzfristige liquide Anlagen + kommen größere Ausgaben (12–24 Monate), die separat abgedeckt sind?
Produktregeln:
Kennst du das Produkt und weißt du was passiert, wenn zum Beispiel viele Anleger gleichzeitig Anteile zurückgeben wollen (Gates/Aussetzung)?
Kosten:
Kennst du die Gesamtkosten und die sich daraus ergebende Netto-Rendite (also das, was tatsächlich bei dir nach Abzug aller Kosten ankommt)? Weißt du, welche Kosten sicher anfallen – und welche von der Performance der Anlage abhängen?
Komfort:
Kannst du „ruhig schlafen“, wenn du nicht „täglich verkaufen“ kannst?

Wenn du den Selbsttest oben bei jedem Punkt mit „Ja“ beantwortet hast, kommt jetzt die Vertiefung. Sie hilft dir, typische Stolperfallen (Illiquidität, Produktregeln, Kosten) realistisch einzuschätzen.

Zeit: Wie „langfristig“ ist bei dir wirklich langfristig?

  • Kannst du dieses Kapital realistisch 12–24 Monate (je nach Produkt länger) unangetastet lassen – auch wenn sich Lebenspläne ändern?
  • Würde dich eine längere Bindung stressen, wenn Märkte fallen oder du „handeln“ willst?
  • Warnlampe: du planst in den nächsten 12–24 Monaten größere Ausgaben und willst dafür „zur Not“ auf das Geld zurückgreifen.

Liquidität: Was passiert im Worst-Case?

  • Ist dein Puffer an Bargeld und kurzfristigen liquiden Anlagen vorhanden – und wirklich getrennt vom Investment?
  • Kannst du deine laufenden Ziele finanzieren, ohne dieses Investment anzufassen?
  • Kennst du das Produkt in das du investierst und weißt du, wie schnell du im Fall der Fälle tatsächlich Geld zurückbekommst (Kündigungsfrist, Rückgabefenster, Limits/Gates, mögliche Aussetzungen)?

Verständnis: Akzeptierst du Mechanik und Kosten – auch wenn es „ungewohnt“ ist?

  • Verstehst du die Grundlogik der Fondsmechanik (Einzahlungs-/Rückgabeprozesse, NAV-Bewertung, mögliche Einschränkungen)?
  • Hast du die Kostenstruktur grob im Griff (laufende Gebühren + erfolgsabhängige Komponenten) und weißt: „netto zählt“?
  • Ist dir klar, dass Wertentwicklungen in Private Markets oft weniger „tagesaktuell“ wirken als bei ETFs – und dass das nicht automatisch weniger Risiko bedeutet?

Praxisregel für den Einstieg: Wenn du bei einem Punkt merkst, dass du unsicher wirst, starte klein (oder bleib vorerst bei liquideren Bausteinen) und vertiefe zuerst dein Produktverständnis.

ETFs oder Privatmarktanlagen – was bringt mehr?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht – und das ist keine Ausrede, sondern die ehrliche Einordnung. „Private Markets“ ist keine homogene Anlageklasse: Private Equity, Venture Capital, Private Debt und Infrastruktur haben grundverschiedene Renditetreiber und lassen sich nicht alle gleich sauber mit einem Aktien-ETF vergleichen.

  • Private Equity / Buyout: Hier ist die Forschungslage am differenziertesten. Historische Analysen – u. a. von Cambridge Associates, Preqin sowie Harris, Jenkinson & Kaplan (2014) – zeigen für Vintage-Jahre bis etwa 2006 in vielen Jahrgängen eine spürbare Outperformance gegenüber Aktienindizes. Risikoadjustierte Auswertungen auf PME-Basis – etwa von Phalippou (2020) – kommen für neuere Zeiträume dagegen zu einem deutlich nüchterneren Bild. Ein wissenschaftlicher Konsens, ob Private Equity strukturell besser oder schlechter abschneidet als der Aktienmarkt, existiert nicht. Die ausführlichere Einordnung findest du hier „Private Equity – Wie entsteht Rendite?“
  • Venture Capital: Im Durchschnitt hat VC auf PME-Basis seit den frühen 2000er-Jahren nicht besser abgeschnitten als öffentliche Aktienindizes – bei gleichzeitig außergewöhnlich großer Streuung zwischen einzelnen Fonds. Bemerkenswert dabei: Anders als bei Buyout-Fonds, wo dieser Effekt seit 2000 abgenommen hat, ist die Persistenz der Outperformance bei Top-Quartile-Managern in Venture Capital stark ausgeprägt – wer in der Vergangenheit zu den besten Managern zählte, tut dies überdurchschnittlich häufig auch im nächsten Fonds wieder. Der Durchschnitt sagt hier also wenig über das Potenzial bei guter Managerauswahl aus. Mehr dazu ebenfalls hier „Private Equity – Wie entsteht Rendite?“
  • Private Debt und Infrastruktur: Hier stellt sich die ETF-Vergleichsfrage anders, weil die Rendite primär aus Zinsen bzw. vertraglich geregelten Cashflows kommt – nicht aus Kursgewinnen wie bei Aktien oder PE-Exits. Ein direkter PME-Vergleich mit einem Aktienindex ist methodisch daher nur eingeschränkt aussagekräftig. Entscheidender sind hier Kreditrisiko bzw. Vertragsqualität und die laufende Verzinsung im Vergleich zu Anleihen.

Zwei Konzepte tauchen in der Forschung über alle Asset-Klassen hinweg auf und lohnen sich kurz zu verstehen, bevor du tiefer in eine einzelne Asset-Klasse einsteigst:

  • Public Market Equivalent (PME): Ein in der Forschung verbreiteter Maßstab, um eine illiquide Anlage mit einem öffentlichen Aktienindex zu vergleichen – er gilt vielen Forschern als Verbesserung gegenüber der reinen IRR (Internal Rate of Return), die durch das Timing von Kapitalflüssen verzerrt werden kann. Auch PME ist nicht unumstritten: Das Ergebnis hängt unter anderem von der Wahl des Vergleichsindex ab, und in der akademischen Literatur werden auch alternative Methoden wie „Direct Alpha“ diskutiert. Eine einzelne, allgemein anerkannte „richtige“ Methode für den Vergleich gibt es nicht.
  • Illiquiditätsprämie: Wer Kapital über Jahre bindet, sollte dafür theoretisch eine zusätzliche Rendite erhalten. Franzoni, Nowak & Phalippou (2012, Journal of Finance) schätzen diese Prämie für Private Equity in ihrer vielzitierten Studie auf etwa 3 % pro Jahr und zeigen: Berücksichtigt man dieses Liquiditätsrisiko korrekt in einem Risikomodell, reduziert sich das in ihrer Studie verbleibende Alpha deutlich. Andere Schätzungen der Illiquiditätsprämie in der Literatur fallen je nach Methodik, Zeitraum und Datensatz unterschiedlich aus – einen feststehenden „wahren“ Wert gibt es nicht. Für Private Debt und Infrastruktur ist diese Prämie zudem deutlich weniger erforscht und lässt sich nicht pauschal übertragen.
Einschätzung

Private Markets sind nicht unabhängig von der Börse – Konjunktur, Zinsen und Marktstimmung wirken auch hier. Ein wichtiger Unterschied: Viele Privatmarktanlagen werden nicht täglich bewertet. Das macht Wertschwankungen weniger sichtbar, reduziert das tatsächliche Risiko aber nicht. Ob Private Markets im Schnitt höhere Renditen liefern als ein vergleichbares ETF-Investment, ist je nach Asset-Klasse, Zeitraum und Messmethode unterschiedlich zu beantworten – eine einhellige akademische Meinung gibt es dazu nicht. Über alle vier Asset-Klassen hinweg gilt aber: Die Streuung zwischen guten und schwachen Fondsmanagern ist deutlich größer als bei börsennotierten Aktien oder ETFs – wer in Private Markets investiert, macht sich stärker von der Qualität der Managerauswahl abhängig als bei einem passiven ETF-Investment.

Quellen: Phalippou (2020) – An Inconvenient Fact: Private Equity Returns & The Billionaire Factory, SSRN · Harris, Jenkinson & Kaplan (2014) – Private Equity Performance: What Do We Know?, NBER Working Paper · Franzoni, Nowak & Phalippou (2012) – Private Equity Performance and Liquidity Risk, SSRN · Harris, Jenkinson, Kaplan & Stucke (2022) – Has Persistence Persisted in Private Equity?, BFI Chicago · McKinsey Global Private Markets Report 2025

FAQ – Häufige Fragen zu Private Markets

Was versteht man unter Private Markets?

Private Markets (Privatmärkte) sind Anlagen, die nicht an öffentlichen Börsen gehandelt werden. Dazu gehören Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen (Private Equity), private Kredite (Private Debt) sowie Infrastruktur-Investments und Immobilien. Der Zugang erfolgt typischerweise über Fondsstrukturen oder größere Direktbeteiligungen.

Warum kann ich Privatmarktanlagen nicht einfach wie ETFs täglich kaufen/verkaufen?

Weil es keinen laufenden Börsenhandel gibt. Privatmarktanlagen werden meist über Fonds gehalten, die Rückgaben nur zu bestimmten Terminen erlauben – oft mit Kündigungsfristen oder Limits. Dadurch ist die Anlage (teil-)illiquide.

Was ist der Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Private-Markets-Fonds?

Offene/Evergreen Fonds: Du kannst in der Regel fortlaufend investieren; Rückgaben sind möglich, aber meist nur zu Terminen und mit Fristen/Regeln. Geschlossene Fonds: Oft Kapitalabrufe (Commitment), feste Laufzeit, Kapital ist länger gebunden; Rückflüsse kommen typischerweise erst später über Verkäufe/Exit-Erlöse.

Sind private Märkte „unabhängig von der Börse“?

Nicht vollständig. Private Markets können sich anders entwickeln als börsennotierte Märkte, aber sie sind nicht isoliert: Konjunktur, Zinsen, Kreditmärkte und Exit-Märkte beeinflussen Bewertungen und Verkaufsmöglichkeiten. Der Unterschied liegt oft in Bewertungsmechanik, Liquidität und Zeithorizont.

Wie kann in private Märkte investiert werden – und wer nutzt was?

In Private Markets erfolgt der Zugang meist über Fondsstrukturen oder Direktinvestments. Privatanleger investieren typischerweise über offene/Evergreen-Vehikel (z. B. ELTIFs oder offene Infrastrukturfonds). Institutionelle Investoren nutzen häufiger geschlossene Fonds sowie Direktbeteiligungen/Co-Investments mit größeren Tickets und längeren Laufzeiten. Für beide Gruppen gibt es Dachfonds/Feeder-Strukturen, die breiter streuen, aber oft eine zusätzliche Kostenebene haben. Die Unterschiede liegen vor allem in Liquiditätsregeln, Kosten, Mindestanlage und Risikoprofil.

Fazit und Ausblick

Private Markets können ein sinnvoller Baustein im Portfolio sein – aber nicht für jeden und nicht unter allen Umständen. Sie bieten Zugang zu Renditequellen, die außerhalb der Börse liegen; ob und in welchem Maß sich das auszahlt, hängt stark vom Produkt, dem Fondsmanager und der eigenen Situation ab.

Eine Beimischung kann passen, wenn du:

  • Kapital langfristig binden kannst – und das nicht nur theoretisch
  • einen ausreichenden Liquiditätspuffer außerhalb des Investments hast
  • die Fondsmechanik und Kostenstruktur verstehst – und weißt, dass mögliche Zusatzerträge (z. B. Illiquiditätsprämie, aktive Wertsteigerung) keine Garantie sind

Wer die oben genannten Punkte in seine Investitionsentscheidung einbezieht und sich sorgfältig informiert, findet in Private Markets Bausteine, die ein börsennotiertes Portfolio sinnvoll ergänzen können.

Deep Dive

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Autoren

Dr. Peter Brodehser

Herausgeber & Autor

Dr. Peter Brodehser

Herausgeber und Autor bei investinzukunft.de

Peter Brodehser ist seit rund 25 Jahren im Bereich Private Markets aktiv – Assetklassen-übergreifend und eng an den Realitäten institutioneller Investoren. Bei investinzukunft.de ordnet er Markt, Modelle und Strukturen praxisnah aus Investorensicht ein. Seine Schwerpunkte sind: Private Markets & Real Assets (Markt & langfristige Wertschöpfung), Investmentlogik (strategische Ausrichtung & Positionierung) sowie Leadership & Organisation (Gestaltung skalierbarer Plattformen & Steuerungsmodelle).

Katharina Thomas

Herausgeber & Autor

Katharina Thomas

Herausgeberin und Autorin bei investinzukunft.de

Katharina Thomas ist seit rund 20 Jahren im Bereich Infrastruktur-Investments und Private Markets tätig. Bei investinzukunft.de übersetzt sie komplexe Themen aus Investoren- und Asset-Manager-Perspektive in verständliche, praxisnahe Inhalte. Ihre Schwerpunkte sind: Private Markets (Marktanalysen), Infrastruktur-Investments (Transaktion bis laufende Steuerung), Portfolio- & Asset Management (Governance, Reporting, Budget/Forecast, Vertragsmanagement) sowie Due Diligence & Modellierung (Business Cases, Risikoanalysen).