Beitrag zuletzt aktualisiert am: 04. Juli 2026
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Überblick
Venture Capital (VC) ist eine spezialisierte Form der Eigenkapitalfinanzierung für Startups und junge Wachstumsunternehmen in frühen Entwicklungsphasen – typischerweise noch vor stabilen Umsätzen oder Profitabilität. VC-Investoren stellen Kapital ohne Rückzahlungsverpflichtung bereit, beteiligen sich direkt am Unternehmen und tragen das volle Verlustrisiko – im Erfolgsfall partizipieren sie an außergewöhnlichem Wachstum.
Haltedauer und Risikoprofil sind Orientierungswerte – sie variieren je nach Fonds, Strategie und Marktzyklus erheblich. Eine ausführliche Einführung zur Buyout-Strategie findest du in unserem Leveraged-Buyout-Artikel.
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Was ist Venture Capital?
Stell dir vor, zwei Programmierer entwickeln eine Software, die Produktionsfehler in der Halbleiterindustrie in Echtzeit erkennt – die Technologie funktioniert, aber das Unternehmen hat keinen Umsatz und keine Sicherheiten für einen Bankkredit. Ein Venture-Capital-Investor beteiligt sich direkt: Er bringt Kapital, erhält Anteile – und trägt das volle Verlustrisiko, falls das Produkt am Markt scheitert.
Genau das ist Venture Capital in seiner Grundform: Eigenkapitalfinanzierung für junge Unternehmen, die zu früh, zu unbewiesen oder zu wachstumsorientiert für klassische Bankkredite sind. VC ist eine Teilstrategie des Private-Equity-Universums und Teil der breiteren Private Markets – was alle diese Strategien verbindet: Eigenkapital in nicht börsennotierte Unternehmen, langfristige Kapitalbindung, kein täglicher Marktpreis. Venture Capital unterscheidet sich jedoch in einem entscheidenden Punkt: dem Renditeprinzip.
Was VC innerhalb dieses Universums besonders macht, lässt sich in drei Merkmalen zusammenfassen. Begleitend statt kontrollierend: VC-Investoren halten in der Regel Minderheitsbeteiligungen – sie nehmen Sitze in Beiräten ein, bringen Netzwerke und Branchenwissen ein, steuern das Unternehmen aber nicht operativ. Das unterscheidet sie von klassischen PE-Investoren, die als Mehrheitseigentümer direkte Kontrolle ausüben. Langfristige Kapitalbindung ohne Liquiditätsoption: Kapital ist typischerweise sieben bis zwölf Jahre gebunden; die scheinbar glatte Wertentwicklung, die VC-Fonds auch in Krisenzeiten ausweisen, ist ein Artefakt des Bewertungsverfahrens – kein Zeichen geringen Risikos. Exit als einziger Renditemoment: Laufende Ausschüttungen aus operativen Gewinnen spielen im klassischen Venture Capital kaum eine Rolle. Rendite entsteht typischerweise erst durch einen Exit – also durch Verkauf, Börsengang oder Secondary Sale der Beteiligung. Wann dieser Moment kommt und zu welcher Bewertung er erfolgt, ist bis dahin unsicher.
Das Power Law als Grundprinzip. Das strukturell entscheidende Merkmal von Venture Capital ist die Renditeverteilung nach dem Power Law: Wenige außergewöhnlich erfolgreiche Investments – sogenannte Outlier – tragen das gesamte Portfolio und kompensieren alle anderen Verluste. Wie das Prinzip in der Praxis funktioniert und was es für die Portfoliokonstruktion bedeutet, zeigt der Abschnitt „Wie entsteht Rendite in Venture Capital?“
Venture Capital ist kein Aktieninvestment ohne Börse – es ist eine strukturell andere Form der Unternehmensbeteiligung: Eigenkapital ohne Rückzahlungsdruck, aktive Begleitung über viele Jahre, Rendite ausschließlich beim Exit. Die Assetklasse zu wählen reicht nicht: Die Wahl des Managers ist die eigentliche Investitionsentscheidung.
Die Finanzierungsphasen im Überblick
Venture Capital fließt nicht als einmalige Summe. Kapital wird in aufeinanderfolgenden Finanzierungsrunden bereitgestellt – jede davon an konkrete Meilensteine geknüpft. Das hat einen klaren Grund: In der Frühphase eines Startups ist die Unsicherheit so hoch, dass kein Investor sinnvoll beurteilen kann, wie viel Kapital das Unternehmen in fünf Jahren brauchen wird. Tranchen reduzieren das Risiko für Investoren und schaffen für Gründer einen Fahrplan mit klaren Zielen für jede Wachstumsstufe.
| Phase | Unternehmensstand & Investitionsziel | Typische Investoren | Typisches Ticket |
|---|---|---|---|
| Pre-Seed | Idee und erstes Team – noch kein Produkt, kein Umsatz. Ziel: Produktidee validieren, Team aufbauen, ersten Prototyp starten. | Gründer selbst, Familie & Freunde, erste Business Angels | Häufig unter €500.000 – teils deutlich weniger, je nach Kapitalintensität des Modells |
| Seed | Früher Prototyp vorhanden, erste Nutzertests möglich – aber noch kein stabiles Geschäftsmodell. Ziel: Marktvalidierung, MVP entwickeln, erste Kundengespräche führen. | Business Angels, Seed-Fonds, Acceleratoren | Ca. €200.000 – €3 Mio. – bei kapitalintensiven Modellen (z. B. Hardware, Biotech) auch höher |
| Series A | Produkt funktioniert; Product-Market-Fit erkennbar; erste wiederkehrende Umsätze vorhanden. Ziel: Geschäftsmodell skalieren, Kundenwachstum systematisch beschleunigen. | Institutionelle VC-Fonds | Richtwert: €3 – €15 Mio. |
| Series B | Bewiesenes Wachstum, steigende Umsätze, erster klarer Marktanteil im Kernsegment. Ziel: Neue Kundensegmente erschließen, Produktportfolio ausbauen. | VC-Fonds, Growth-Equity-Investoren | Richtwert: €15 – €60 Mio. |
| Series C+ | Marktführerposition im Kernsegment erreicht oder internationale Expansion bereits angelaufen. Ziel: Internationalisierung, strategische Zukäufe, Exit-Vorbereitung. | Late-Stage-VC, PE-Fonds, strategische Investoren | €60 Mio.+ – nach oben offen |
Ticketgrößen sind grobe Orientierungswerte. Der tatsächliche Kapitalbedarf hängt stark von der Kapitalintensität des Geschäftsmodells ab: Ein Software-Startup kommt in frühen Phasen mit deutlich weniger aus als ein Hardware- oder Biotech-Unternehmen. Hinzu kommen Markt, Region und Marktzyklus – in Boomjahren wie 2020–2021 lagen Rundengrößen in vielen Segmenten deutlich höher. Angaben ohne Gewähr.
Der härteste Filter: Product-Market-Fit. Der Schritt von Seed zu Series A ist der kritischste Übergang im gesamten Startup-Ökosystem. Was Investoren an diesem Punkt sehen wollen, ist kein perfektes Produkt – sondern einen Beweis dafür, dass echte Kunden es regelmäßig nutzen und dafür bezahlen. Dieses Phänomen wird als Product-Market-Fit bezeichnet: der Moment, in dem ein Markt das Produkt anzieht, statt dass das Gründerteam ihn aktiv überzeugen muss. Viele Startups verbrauchen ihr Seed-Kapital, bevor sie diesen Nachweis erbringen können – und erhalten keine Series-A-Finanzierung mehr.
Verwässerung und Down Rounds. Jede neue Finanzierungsrunde bringt neue Investoren mit aktualisierten Bewertungen – die Beteiligungsquote der Altinvestoren sinkt prozentual (Dilution). Kritisch wird es beim Down Round: Muss ein Startup Kapital zu einer niedrigeren Bewertung aufnehmen als in der Vorrunde, sinkt der Wert der Altanteile absolut – VC-Verträge enthalten deshalb häufig Anti-Dilution-Klauseln, die Frühphasen-Investoren in solchen Szenarien schützen.
Ein Startup erzielte in der Series A eine Bewertung von 20 Mio. Euro. Zwei Jahre später kann es Kapital nur noch zu einer Bewertung von 14 Mio. Euro aufnehmen – das Wachstum blieb hinter den Zielen zurück. Die Series-A-Investoren halten dieselbe Anzahl an Anteilen, aber deren Wert liegt unter dem Einstandswert. Anti-Dilution-Klauseln können über Ausgleichsmechanismen eingreifen und neue Anteile für die Altinvestoren generieren – auf Kosten der Gründerquote. Down Rounds sind selten ein gutes Zeichen, kommen aber in jedem Marktzyklus vor: In der Korrekturphase 2022–2023 mussten zahlreiche Late-Stage-Startups, die in der Boomphase 2020–2021 sehr hohe Bewertungen erzielt hatten, Folgefinanzierungen zu deutlich niedrigeren Bewertungen aufnehmen.
Beteiligungsformen in Venture Capital
Nicht jede VC-Investition sieht gleich aus. Je nach Entwicklungsphase des Unternehmens und Verhandlungsposition kommen unterschiedliche Beteiligungsformen zum Einsatz – mit einer zentralen Frage: Wer hat im Ernstfall, beim Exit oder bei Insolvenz, Vorrang?
Die nachfolgenden Begriffe stammen teilweise aus dem US-amerikanischen VC-Markt. In Deutschland und Europa werden wirtschaftlich ähnliche Rechte häufig über GmbH-Anteile, Gesellschaftervereinbarungen, Wandeldarlehen oder Beteiligungsverträge abgebildet. Entscheidend ist daher weniger die juristische Bezeichnung als die wirtschaftliche Wirkung: Wer erhält welche Rechte, welche Liquidationspräferenz und welchen Verwässerungsschutz?
Wie entsteht Rendite in Venture Capital?
VC-Renditen entstehen nicht durch Kursbewegungen – es gibt keinen täglichen Marktpreis. Rendite wird ausschließlich beim Exit realisiert: Zeitpunkt, Form und Bewertung entscheiden, was ein Investment am Ende wirklich einbringt. Dazu kommt ein zweites Grundprinzip: Das Renditeprofil folgt dem Power Law – wenige Ausnahmen bestimmen das Gesamtergebnis.
Die Exit-Wege im Überblick
Vier Exit-Wege dominieren das VC-Universum – sie unterscheiden sich in Zeitaufwand, Käufertyp und dem Maß, in dem das Marktumfeld über Timing und Preis entscheidet.
Exit-Wege sind keine planbaren Meilensteine – Timing und Form hängen von Marktumfeld, Unternehmensentwicklung und Verhandlungsposition ab. In der Praxis sind Trade Sales der häufigste Weg; IPOs die sichtbarsten.
Das Power Law als Renditeprinzip
Im Abschnitt „Was ist Venture Capital?“ haben wir das Power Law als strukturelles Merkmal der Anlageklasse eingeführt. Hier wird es als Renditeprinzip durchgerechnet – denn erst die Logik der Zahlen macht deutlich, warum VC-Portfolios so gebaut werden, wie sie gebaut werden.
Stell dir einen typischen institutionellen VC-Fonds vor, der sein Kapital auf 15 bis 25 Beteiligungen verteilt – bei einem Fondsvolumen von 100 Mio. Euro liegen die durchschnittlichen Investitionsbeträge je nach Fondsphilosophie zwischen 4 und 7 Mio. Euro. Die Verteilung der Ergebnisse sieht in einem realistischen Szenario etwa so aus:
Das Muster ist illustrativ auf Basis empirisch beobachteter VC-Portfolio-Verteilungen – kein garantiertes Szenario. Tatsächliche Ergebnisse variieren stark je nach Manager, Vintage-Jahr und Marktumfeld.
Konkret bedeutet das: Wenn einer dieser Outlier – sagen wir, eine Beteiligung, in die 5 Mio. Euro investiert wurden – einen Rückfluss von 250 Mio. Euro erzeugt (50x), kompensiert dieses einzelne Investment alle acht bis zehn Totalausfälle und alle weiteren mittelmäßigen Ergebnisse im Portfolio – und lässt trotzdem einen erheblichen Fondsgewinn übrig. Alle anderen Investments zusammen spielen in diesem Szenario eine Nebenrolle.
Das hat eine unmittelbare praktische Konsequenz für die Portfoliokonstruktion: VC-Manager diversifizieren nicht, um Verluste zu glätten – sie diversifizieren, um die statistische Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, mindestens einen Outlier im Portfolio zu haben. Wer zu wenige Investments hält, riskiert, den einen entscheidenden Treffer zu verpassen. Wer zu viele hält, verwässert die Fähigkeit, vielversprechende Unternehmen wirklich zu begleiten. Die meisten institutionellen VC-Fonds halten deshalb zwischen 15 und 30 Beteiligungen – mit gezielten Folgeinvestments in die sich abzeichnenden Performer.
BioNTech ist eines der bekanntesten deutschen Beispiele für das Power-Law-Prinzip im Venture Capital. Die MIG Fonds (verwaltet von HMW Kapitalanlagen) gehörten zu den frühen Investoren des Unternehmens. Medienberichten zufolge stand einem frühen Investment von rund 13,5 Mio. Euro später ein Rückfluss von mehreren hundert Millionen Euro gegenüber; MIG selbst berichtete 2021 über Ausschüttungen aus dem BioNTech-Investment von rund 600 Mio. Euro. Genau das macht Venture Capital so besonders: Ein einzelnes außergewöhnliches Investment kann die Verluste vieler anderer Beteiligungen überkompensieren. Gleichzeitig ist BioNTech kein typischer Fall, sondern ein extremes Ausnahmebeispiel – und gerade deshalb ein gutes Beispiel für das Power Law.
Die Fondsstruktur vieler VC-Fonds ähnelt der klassischer Private-Equity-Fonds: Limited Partnership, Capital Calls, Management Fee und Carried Interest sind typische Elemente. Ob zusätzlich eine Hurdle Rate oder Preferred Return vereinbart ist, hängt jedoch stark von Region, Strategie und Fondsvertrag ab; im klassischen Venture Capital ist sie nicht so selbstverständlich wie in vielen Buyout-Fonds. Ein wichtiger Unterschied bleibt: Die Management Fee fällt auch in Jahren an, in denen noch keine Exits realisiert wurden — während der wirtschaftliche Erfolg des Fonds oft erst sehr spät sichtbar wird. Eine ausführlichere Darstellung der Fondsmechanik findest du in unserem Private-Equity-Einführungsartikel.
Rendite in Venture Capital entsteht ausschließlich beim Exit – und sie folgt nicht dem Prinzip des Durchschnitts, sondern dem Power Law. Wenige außergewöhnliche Investments bestimmen das Gesamtergebnis; der Rest des Portfolios spielt strukturell eine Nebenrolle. Ein einzelnes VC-Investment ist kein repräsentativer Datenpunkt für die Anlageklasse – nur das Gesamtportfolio eines Fonds über alle Beteiligungen und Exits hinweg zeigt, ob der Manager sein Versprechen eingelöst hat.
Performance: Was sagen die Daten?
Venture Capital gilt als Hochrendite-Anlageklasse – der empirische Befund ist differenzierter. Fondsrenditen werden typischerweise als IRR ausgewiesen, der sich nicht direkt mit Aktienindizes vergleichen lässt; methodisch überlegen ist der PME (Public Market Equivalent). Wie beide Kennzahlen funktionieren und warum der Unterschied relevant ist, erklärt der Abschnitt „Renditeerwartungen“ in der Private Equity Einführung. Was die Daten für Venture Capital spezifisch zeigen:
Median-Fonds vs. Top-Quartile: zwei verschiedene Welten
Der entscheidende Trennstrich verläuft nicht zwischen VC und anderen Anlageklassen – sondern innerhalb von VC, zwischen Median-Fonds und Top-Quartile-Managern:
Quellen: Phalippou (2020), An Inconvenient Fact: Private Equity Returns & The Billionaire Factory, SSRN – papers.ssrn.com · Harris, Jenkinson & Kaplan (2014), Private Equity Performance: What Do We Know?, NBER Working Paper Nr. 17874 – nber.org · Harris, Jenkinson, Kaplan & Stucke (2022), Has Persistence Persisted in Private Equity?, BFI Chicago Working Paper – bfi.uchicago.edu
Persistenz – der entscheidende VC-Befund
Harris, Jenkinson, Kaplan & Stucke zeigen in Has Persistence Persisted in Private Equity? (BFI Chicago, 2022): VC-Manager, deren vorheriger Fonds zur Spitzengruppe gehörte, landen mit dem Nachfolgefonds statistisch signifikant häufiger wieder oben – und das deutlich stärker als im Buyout-Segment. Der Grund: Netzwerk, Deal-Flow-Qualität und die Fähigkeit, außergewöhnliche Unternehmen früh zu identifizieren, lassen sich über Fondszyklen reproduzieren – oder eben nicht. Die besten VC-Fonds sind häufig für Neuzusagen geschlossen und beschränken sich auf Investoren mit langjährigen GP-Beziehungen – der Zugang zur Spitzengruppe ist damit für nahezu alle Neueinsteiger das eigentliche strukturelle Problem, unabhängig vom verfügbaren Kapital. Zur Einordnung der Illiquiditätsprämie und dem Stand des wissenschaftlichen Konsenses zur PE-Outperformance insgesamt siehe den Abschnitt „Illiquiditätsprämie“ in der Private Equity Einführung.
Venture Capital bietet reales Renditepotenzial – aber kein pauschales Versprechen. Die entscheidende Investitionsentscheidung ist nicht die Wahl der Anlageklasse, sondern die Wahl des Managers.
Chancen und Risiken in Venture Capital
Venture Capital bietet Zugang zu Renditequellen, die über öffentliche Märkte nicht erreichbar sind – verbunden mit Risiken, die sich in wichtigen Punkten von denen klassischer Private-Equity-Strategien unterscheiden.
Chancen
Risiken
Venture Capital ist keine überlegene Anlageklasse – sie ist eine andere. Die Chancen sind real, aber an Bedingungen geknüpft, die über das hinausgehen, was für Private Equity im Allgemeinen gilt: Zugang zu nachweislich starken Managern, Akzeptanz von Totalverlusten auf Einzeltitelebene und ein Zeithorizont ohne jeden Liquiditätsbedarf.
Wer investiert in Venture Capital – und wie?
Venture Capital ist eine Anlageklasse für einen strukturell kleinen Kreis. Neben institutionellen Investoren – Pensionsfonds, Versicherungen, Staatsfonds – gibt es im VC spezifische Investorentypen und Zugangswege, die es in anderen Private-Markets-Strategien in dieser Form nicht gibt.
ELTIFs mit VC-Komponente. Seit ELTIF 2.0 (in Kraft seit Januar 2024) entstehen erste Strukturen mit VC- oder Late-Stage-Innovation-Exposition für Privatanleger. Das Angebot ist im Vergleich zu Private Debt, Infrastruktur und Buyout überschaubar – und über längere Marktzyklen kaum erprobt, weil das regulatorische Fundament noch jung ist. Bei der Auswahl gilt dasselbe wie bei jeder VC-Investition: Entscheidend sind Dealflow-Qualität, nachweisbare VC-Erfahrung des Managements und eine transparente Kostenstruktur – unabhängig davon, ob ein Produkt für Retail- oder institutionelle Anleger strukturiert ist.
Die global führenden VC-Fonds sind auf institutionelle LPs ausgerichtet und benötigen kein Retailkapital – sie öffnen sich dem Retailmarkt strukturell nicht. Das erklärt, warum das Angebot retail-zugänglicher Vehikel mit langen, dokumentierten Leistungsnachweisen begrenzt bleibt: Die etablierten Fonds haben schlicht keinen Grund, sich zu öffnen. Hinzu kommt: Harris, Jenkinson, Kaplan & Stucke (2022) zeigen, dass die bisherige Erfolgsbilanz eines VC-Managers ein deutlich verlässlicherer Indikator für zukünftige Ergebnisse ist als in anderen Strategien – was die gründliche Prüfung des Managers zur zentralen Aufgabe vor jeder VC-Investition macht.
FAQ – Häufige Fragen zu Venture Capital
Was ist Venture Capital einfach erklärt?
Venture Capital ist Eigenkapitalfinanzierung für Startups und junge Wachstumsunternehmen, die noch keinen Zugang zu klassischen Bankkrediten haben – VC-Investoren stellen Kapital ohne Rückzahlungspflicht bereit und beteiligen sich direkt am Unternehmen. Rendite entsteht ausschließlich beim Exit: durch Börsengang, Verkauf an einen strategischen Käufer oder Weiterverkauf an einen anderen Finanzinvestor. VC ist eine Teilstrategie innerhalb des Private-Equity-Universums und Teil der breiteren Private Markets.
Was ist der Unterschied zwischen Venture Capital und Private Equity?
VC finanziert Startups und frühe Wachstumsunternehmen ohne Fremdkapitalhebel und hält meist Minderheitsbeteiligungen; klassisches Private Equity – vor allem Buyout – investiert in etablierte Unternehmen mit bewiesenen Cashflows, setzt gezielt auf Leverage und übernimmt Mehrheiten. Das Renditeprinzip unterscheidet sich grundlegend: Venture Capital folgt dem Power Law – wenige Outlier tragen das Portfolio –, klassisches Private Equity setzt auf operative Wertsteigerung und Cashflow-Optimierung.
Was bedeutet Power Law in Venture Capital?
Das Power Law beschreibt, dass in einem typischen VC-Portfolio die meisten Einzelbeteiligungen weniger zurückbringen als das eingesetzte Kapital – ein erheblicher Teil endet mit Totalverlust –, während wenige außergewöhnliche Outlier das Fünfzigfache oder Hundertfache zurückbringen und das gesamte Portfolio tragen. VC-Manager diversifizieren deshalb nicht, um Verluste zu glätten, sondern um die statistische Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, mindestens einen solchen Outlier im Portfolio zu halten. Einzelne scheiternde Investments sind kein Versagen – sie sind das erwartbare Ergebnis eines Modells, das strukturell auf Ausnahmen setzt.
Bringen Venture-Capital-Fonds mehr Rendite als Aktienfonds?
Pauschal lässt sich das nicht sagen – es kommt auf den Fonds und den Zeitraum an. Der durchschnittliche VC-Fonds hat den Aktienmarkt seit den frühen 2000er Jahren auf Basis fairer Vergleichsmethoden nicht mehr zuverlässig übertroffen (Harris, Jenkinson & Kaplan 2014; Phalippou 2020). Die nachweislich stärksten Manager erzielen hingegen auch heute noch Überrenditen – und sie tun es Fonds für Fonds wieder. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht „VC oder Aktienmarkt?“, sondern: Habe ich tatsächlich Zugang zu einem Manager mit nachweisbarer Erfolgsbilanz?
Fazit
Venture Capital ist keine Variante von Private Equity mit jüngeren Unternehmen – es ist eine strukturell andere Anlageklasse. Drei Punkte solltest du mitnehmen.
Das Renditeprinzip ist anders. Nicht der Durchschnitt entscheidet, sondern das Power Law: Wenige außergewöhnliche Investments tragen das Portfolio, die meisten liefern nicht das eingesetzte Kapital zurück. Wer Einzelverluste als Versagen interpretiert, beurteilt VC-Investments systematisch falsch.
Manager-Persistenz ist in VC stärker ausgeprägt als im Buyout-Segment – und das hat eine direkte Konsequenz: Der Median-Fonds liefert seit den frühen 2000er Jahren keine PME-Überrendite mehr. Überdurchschnittliche Renditen setzen Zugang zu nachweislich starken Managern voraus – und genau dieser Zugang, nicht das Mindestkapital, ist die eigentliche Hürde.
Drittens: Der Markt öffnet sich – aber das Angebot bleibt eng. Neue Fondsvehikel, ELTIFs und digitale Plattformen haben die formalen Zugangshürden für Privatanleger gesenkt. Das ist eine echte Entwicklung. Was dabei jedoch strukturell bestehen bleibt: Das Universum spezialisierter, retail-zugänglicher VC-Vehikel ist nach wie vor sehr überschaubar. Die global etablierten Top-Tier-Fonds – also jene mit langen, überprüfbaren Track Records über mehrere Fondszyklen – sind überwiegend auf institutionelle LPs ausgerichtet und nicht auf Retailprodukte angewiesen. Das bedeutet nicht, dass für Privatanleger zugängliche Produkte schlechter sind. Es bedeutet, dass die Auswahl eng ist – und dass die belegte Persistenz von VC-Renditen (Harris, Jenkinson, Kaplan & Stucke 2022) die sorgfältige Prüfung des jeweiligen Managers zur entscheidenden Aufgabe macht, bevor man investiert.
Dieser Artikel ist Teil unseres Private-Equity-Clusters. Einen vollständigen Überblick über alle Private-Markets-Strategien – von Buyout über Private Debt bis Infrastruktur – findest du in unserem Private Markets – Einführung. ELTIF-Fonds – strukturiert nach Strategie, Kosten, Mindestanlage und Liquiditätsbedingungen – findest du in unserem Fondsnavigator.

