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PPP-Markt 2025: Ein Praxisblick aus Investorensicht

20.12.2025 | Infrastruktur

Das erwartet Dich in diesem Beitrag:

  • Herausforderungen: Warum PPP strukturell begrenzt ist.
  • Praxisbeispiele & Lessons Learned: Was funktioniert – was scheitert.
  • Segmente mit Zukunft: Wo PPP zukünftig sinnvoll sein kann.

Einleitung

Public Private Partnerships (PPP) gelten seit den 1990er-Jahren als Instrument, um ausgewählte Infrastrukturprojekte effizienter zu planen, zu finanzieren und zu betreiben. Die Grundidee ist einfach: Der Staat überträgt dabei Bau, Finanzierung und Betrieb an private Partner und vergütet diese über langfristige Verfügbarkeits- oder Leistungsentgelte. Für die öffentliche Hand kann dies eine höhere Planungssicherheit bedeuten, für Investoren potenziell stabile, langfristige Cashflows.

Doch die Realität ist komplexer. Aus Investorensicht war der PPP-Markt in den vergangenen zwei Jahrzehnten von klaren Segmentgrenzen geprägt. Während sich Teile der Verkehrs- und sozialen Infrastruktur etabliert haben, blieben andere Bereiche – etwa Energie oder Kommunikationsinfrastruktur – für PPP weitgehend unzugänglich, da sie sich effizienter über alternative Finanzierungs- und Vertragsmodelle abbilden lassen.

Aktuelle geopolitische Entwicklungen und ein zunehmender Infrastruktur-Investitionsstau könnten jedoch neue Impulse setzen. Die Diskussion über private Beteiligung an Infrastruktur im Verteidigungsbereich zeigt, dass sich Bewertungsmaßstäbe verschieben. Was lange als politisch oder gesellschaftlich nicht vermittelbar galt, wird heute differenzierter betrachtet. Diese neue Dynamik kann den PPP-Markt verändern, da neue Sektoren und Akteure hinzukommen.

Dieser Beitrag fasst Erfahrungen aus Investorensicht zusammen und ordnet Chancen, Grenzen und Rahmenbedingungen ein.

Optional für Einsteiger:
Einführung zu Public Private Partnerships (PPP) | Einführung zu Infrastrukturprojekte

PPP in Europa und Deutschland: Bedeutung

PPP-Markt 2025: PPP-Investitionen Welt, Europa und Deutschland 2015 - 2024 in Mrd. EUR

Die PPP-Investitionsvolumina in Europa und Deutschland waren im Zeitraum 2015 bis 2024 volatil und im Vergleich zum globalen Gesamtmarkt niedrig. In Europa bewegten sich die jährlichen Volumina überwiegend im Bereich von rund 8 bis 15 Mrd. EUR, während Deutschland regelmäßig nur einen kleinen Anteil dazu beitrug – häufig mit Jahresvolumina von unter 1 Mrd. EUR und stark projektgetriebenen Ausschlägen.

PPP-Markt 2025: Schätzung Infrastruktur-Investitionsbedarf vs. PPP-Investitionen in Mrd. EUR p.a.

Quelle: www.investinzukunft.de

PPP-Investitionen Welt, Europa und Deutschland (2015–2024), Mrd. EUR.
JahrGlobal PPP Proxy – World Bank PPIEuropa PPPDeutschland PPP
2015100,415,60,7
201663,912,00,7
201783,014,40,7
201876,514,60,6
201986,19,80,1
202040,27,92,8
202164,88,00,8
202287,19,80,5
202379,113,94,0
202493,711,50,5
Infrastruktur-Investitionsbedarf vs. PPP-Investitionen (Ø p.a.), Mrd. EUR.
RegionØ PPP-InvestitionenGeschätzter Infrastrukturbedarf
Deutschland1,050,0
Europa12,0300,0

Entscheidend für die Einordnung ist der Vergleich mit dem Gesamtinfrastrukturmarkt. Den jährlichen PPP-Investitionen in Deutschland von etwa durchschnittlich rund 1 Mrd. EUR steht ein Infrastruktur-Investitionsbedarf von rund 50–60 Mrd. EUR gegenüber. Vor diesem Hintergrund ist PPP kein dominierendes Finanzierungsinstrument, sondern ein spezialisiertes Nischenwerkzeug für bestimmte Projekttypen.

Daraus lassen sich die folgenden zwei Kernaussagen zum PPP-Markt ableiten:

  • Begrenzte Marktgröße in Europa und Deutschland im Verhältnis zum globalen Gesamtmarkt.
  • Klare Nischenrolle – PPP ist kein dominierendes Finanzierungsinstrument.

Warum ist der Anteil von PPP so klein? Vor allem, weil der Staat sich günstiger verschulden kann. PPP lohnt sich nur, wenn Lebenszyklus-Effizienz, Terminsicherheit und Risikoübertragung die höheren Kapitalkosten überkompensieren. Zudem sind viele Projekte (z. B. Schulen oder Wasserinfrastruktur) nicht kostendeckend und politisch sensibel. Hohe Transaktionskosten, komplexe Verträge und enge Haushaltsregeln bremsen zusätzlich.

Vor dem Hintergrund steigender Verschuldung gewinnt privates Kapital dennoch an Bedeutung – nicht als Ersatz, sondern als Beschleuniger. Wo stabile Cashflows – etwa durch Verfügbarkeitsentgelte – und klare Risikoverteilung bestehen, kann privates Kapital Bauzeiten verkürzen, Risiken übernehmen und Innovation fördern.

Traditionelle Einsatzfelder von PPP

Transportinfrastruktur: Straßenbau im Zentrum

Wenn man den PPP-Markt betrachtet, führt kein Weg an der Transportinfrastruktur vorbei. Ursprünglich wurden PPP-Modelle vor allem hier entwickelt, insbesondere für Straßen- und Autobahnprojekte.

Der Grund liegt auf der Hand: Autobahnen, die auf Verfügbarkeitsbasis vergütet werden, bieten PPP-Investoren ein vergleichsweise stabiles Rendite-Risikoprofil. Klassischerweise liegt die Eigenkapitalrendite (IRR) solcher PPP-Projekte bei etwa 5–8 Prozent, abhängig vom Land und der jeweiligen Ausschreibung. Für Lebensversicherungen und Pensionskassen sind diese Werte sehr attraktiv, da sie ihre langfristigen Verpflichtungen mit stabilen, vorhersehbaren Zahlungsströmen decken müssen.

Auch Banken finden in PPP-Straßenprojekten ein passendes Anlageprofil. Sie engagieren sich meist über Senior Debt im Investment-Grade-Bereich. Die lange Laufzeit (20–35 Jahre) und die klare Struktur machen diese Finanzierungen für Banken und Debt Funds interessant, die Kapital in größerem Umfang und mit überschaubarem Risiko unterbringen wollen.

Weniger erfolgreich waren dagegen Projekte mit Mautfinanzierung. Das prominenteste Beispiel sind die Madrider Ringstraßen, die Investoren wie Banken und Eigenkapitalgeber gleichermaßen vor über zehn Jahren Verluste bescherten. Das hat die Risikowahrnehmung nachhaltig verändert: Nur wenige institutionelle Investoren bringen heute noch die Bereitschaft mit, in das Rendite-Risikoprofil einer Mautstraße zu investieren. Die mit einer Mautstraße einhergehende Verkehrsrisiken sind schlichtweg schwerer zu kalkulieren als eine Straße, die mit einer nutzungsunabhängigen Verfügbarkeitszahlung vergütet wird.

Zwischen 2015 und 2024 blieben die Renditen auf das eingesetzte Eigenkapital bei europäischen PPP-Projekten im Bereich Transportinfrastruktur insgesamt recht stabil. In den Jahren der Niedrigzinsen bis 2021 war viel Kapital im Markt, und der Wettbewerb zwischen Investoren hielt die Renditeerwartungen moderat. Erst ab 2022, mit dem allgemeinen Zinsanstieg, erhöhten sich die Renditen leicht – vor allem, weil die Finanzierungskosten stiegen, nicht weil die Projekte riskanter wurden. Insgesamt blieb dieses Segment ein typisches Core-Investment: langfristig, planbar und mit stabilen, risikoangemessenen Erträgen.

Eigenkapital-Renditen PPP-Transportinfrastruktur Europa (Schätzwerte, 2015 – 2024)
Land Vergütungsmodell Equity IRR Risikoprofil
Deutschland Verfügbarkeit 6,0–8,0 %; Ø 6,5 % Core-nah
Europa (ex UK) Verfügbarkeit 6,5–9,5 % Core / Core+
Europa (ex UK) Maut (Nachfragerisiko) 8,5–12,5 % Core+, Greenfield teils 14–15 %
UK Verfügbarkeit 7,8–9,4 %; Ø 8,8 % Core-nah

Quellen: [HM T 2019] [NAO 2012] [KOP 2022] [ART 2023] [WB GIF 2022] [PPLR NL 2022]; eigene Einschätzung. Anmerkung: Die Datenlage ist insgesamt begrenzt. Exakte Projektdaten bleiben meist vertraulich. Verlässliche Quellen existieren vor allem für UK, Niederlande und Frankreich, während für Deutschland nur vereinzelte Hinweise und Modellrechnungen vorliegen. Punktgenaue oder jährliche Zeitreihen fehlen – realistische Einschätzungen sind daher nur auf Basis von Korridoren und Vergleichsstudien möglich. Insgesamt sind die Angaben für Verfügbarkeits-Modelle gut belastbar, während Demand-Risk-Projekte aufgrund der geringen Anzahl größere Streuungen aufweisen.

Die Fremdkapitalkosten von europäischen PPP-Projekten im Bereich Transportinfrastruktur haben sich in den letzten Jahren vor allem im Takt der allgemeinen Zinsentwicklung bewegt. Bis 2021 war Fremdkapital sehr günstig: Die Leitzinsen lagen nahe null, und der Wettbewerb zwischen Banken hielt die Aufschläge niedrig. Dadurch konnten Projekte mit langfristigen, staatlich gesicherten Zahlungen zu sehr stabilen und planbaren Konditionen finanziert werden.

Mit dem Zinsanstieg ab 2022 verteuerte sich die Finanzierung deutlich – hauptsächlich, weil die allgemeinen Marktzinsen stiegen, nicht weil Banken höhere Risikoaufschläge verlangten. Seit 2025 deutet sich eine Entspannung an, da die Zinsen wieder sinken und sich die Kreditkonditionen stabilisieren. In Deutschland waren die Finanzierungskosten meist etwas niedriger als im europäischen Durchschnitt. Typisch für PPPs sind zudem leicht höhere Zinsen in der Bauphase und geringere während des Betriebs – ein Mechanismus, der das Risiko für Kreditgeber angemessen vergütet.

Fremdkapital-Renditen PPP-Transportinfrastruktur Europa (Schätzwerte, 2015 – 2024)
Land Zeitraum All-in-Kupon % Spread bp
Deutschland2015–2019 (Niedrigzins)1,5–2,3100–180
Deutschland2020–2021 (Zinsboden)1,2–1,890–160
Deutschland2022–2024 (Zinswende)2,8–5,5150–220 (EIB/Lange Laufzeiten: 130–180)
Europa (ex UK)2015–2019 (Niedrigzins)1,5–2,5110–220
Europa (ex UK)2020–2021 (Zinsboden)1,2–2,0100–180
Europa (ex UK)2022–2024 (Zinswende)3,0–5,8170–250
UK2015–2019 (Niedrigzins)2,0–3,0150–220
UK2020–2021 (Zinsboden)1,8–2,5140–220
UK2022–2024 (Zinswende)4,5–7,2180–260

Quellen: [EDHEC 2025]; [ECB Euribor]; [BoE SONIA]; [GIH 2024]; [WB Finance 2024]; [EIB 2024]; eigene Einschätzung.
Anmerkung: Die Datenlage ist vergleichsweise solide, da sich verlässliche Werte aus Marktindizes (EDHECinfra) und Referenzzinsen (EURIBOR, SONIA) ableiten lassen. Exakte Projektdaten bleiben jedoch meist vertraulich, sodass nur Bandbreiten auf Basis typischer Spreads veröffentlicht werden. Insgesamt sind die Angaben für Verfügbarkeits-Modelle gut belastbar, während Demand-Risk-Projekte größere Streuungen aufweisen.

Fazit: PPP-Projekte im Straßenbau stoßen bei Investoren auf starkes Interesse, solange es sich um Verfügbarkeitsmodelle handelt. Für Investoren sind solche Strukturen weiterhin ein Kernbereich ihrer Engagements im PPP-Markt.

Soziale Infrastruktur

Ein zweiter Bereich, der im PPP-Markt traditionell eine große Rolle spielt, ist die soziale Infrastruktur. Schulen, Universitäten, Krankenhäuser oder Gerichtsgebäude eignen sich besonders gut, weil hier die Nutzung über Verfügbarkeitsentgelte sehr klar geregelt werden kann.

Praktische Erfahrungen zeigen dies: In der Vergangenheit wurden zahlreiche PPP-Projekte in diesem Sektor erfolgreich umgesetzt – etwa Gerichtsgebäude in Irland, Krankenhäuser in Portugal oder verschiedene Hochbauprojekte in Deutschland.

Das Geschäftsmodell ist klar: Der Staat oder eine öffentliche Institution benötigt eine funktionsfähige Immobilie, die über Jahrzehnte betrieben wird. Private Investoren übernehmen Planung, Bau, Finanzierung und teilweise den Betrieb (Facility Management). Im Gegenzug zahlt die öffentliche Hand regelmäßige Entgelte, die an die Verfügbarkeit gebunden sind.

Die Risiken sind überschaubar: Solange das Gebäude Strom, Wasser, Abwasser, Heizung und Reinigung gewährleistet, fließen die Zahlungen. Genau diese Begrenzung der Risikofaktoren macht PPP-Projekte im Hochbau so attraktiv für langfristig orientierte Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen. In der Praxis liegen die Eigenkapital-Renditen bei PPP-Projekte im Bereich soziale Infrastruktur daher tendenziell etwas niedriger (Core, geringere Volatilität, stärker standardisierbar).

Eigenkapital-Renditen PPP-Projekte soziale Infrastruktur Europa (Schätzwerte, 2015 – 2024)
Land / Region Equity-IRR Risikoprofil
Deutschland ~ 5,5 – 8,0 % Core
Europa (ex UK) ~ 5,5 – 8,5 % Core / Core-nah
UK ~ 7,0 – 8,8 % (Ø 7,9 %) Core-nah

Quellen: [HM T 2019]; [HM T 2023]; [NAO 2012]; [KOP 2022]; [HM T 2019 / Seite]; [PFI & PF2 Überblick]; eigene Einschätzung.
Anmerkung: Die Datenlage ist insgesamt begrenzt. Verlässliche, empirisch belegte Werte stammen vor allem aus den britischen PFI- und PF2-Datensätzen, die zahlreiche Schul- und Krankenhausprojekte umfassen. Für kontinentale Modelle (z. B. niederländische DBFM) liegen nur wenige Studien vor, sodass Renditebandbreiten meist aus vergleichbaren Verfügbarkeitsprojekten abgeleitet werden. Insgesamt zeigen sich stabile, core-nahe Renditen bei vergleichsweise geringem Nachfragerisiko.

Fremdkapital-Renditen (Spreads) sind oft leicht enger mit Blick auf Bandbreiten als bei PPP-Projekten im Bereich Transportinfrastruktur.

Fremdkapital-Renditen PPP soziale Infrastruktur Europa (Schätzwerte, 2015 – 2024)
Land Zeitraum All-in-Kupon % Spread bp
Deutschland2015–2019 (Niedrigzins)1,4–2,190–160
Deutschland2020–2021 (Zinsboden)1,1–1,680–150
Deutschland2022–2024 (Zinswende)2,6–5,2140–200 (EIB/Lange Laufzeiten: 120–170)
Europa (ex UK)2015–2019 (Niedrigzins)1,4–2,3110–180
Europa (ex UK)2020–2021 (Zinsboden)1,1–1,890–160
Europa (ex UK)2022–2024 (Zinswende)2,8–5,5150–220
UK2015–2019 (Niedrigzins)1,9–2,8140–200
UK2020–2021 (Zinsboden)1,7–2,4130–190
UK2022–2024 (Zinswende)4,3–6,8170–240

Quellen: [EDHEC 2025]; [ECB Euribor]; [BoE SONIA]; [GIH 2024]; [EIB 2024]; [WB Finance 2024]; eigene Einschätzung.
Anmerkung: Die Datenlage ist insgesamt gut einschätzbar, da sie sich eng an den Zins- und Spread-Entwicklungen im europäischen Project-Finance-Markt orientiert. Exakte Projektdaten sind zwar selten öffentlich, doch Marktindizes und EIB-Berichte liefern verlässliche Bandbreiten für Verfügbarkeits-Modelle. Im Vergleich zu Transportprojekten zeigen PPPs im Bereich soziale Infrastruktur etwas geringere Risikoaufschläge und stabilere Finanzierungskonditionen.

Grob kann man sagen, dass sich die Renditen im Bereich soziale Infrastruktur ca. ~50–100 bp bei Eigenkapitalinvestitionen und ~10–30 bp bei Fremdkapitalinvestition unter den Renditen im Bereich Transportinfrastruktur liegen (Daumenregel, projektspezifisch zu prüfen).

Fazit: Soziale Infrastruktur ist – neben dem Straßenbau – der zweite große Anwendungsfall im PPP-Markt. Sie liefert stabile Cashflows und ein für institutionelle Investoren maßgeschneidertes Rendite-/Risikoprofil. Damit bleibt die soziale Infrastruktur ein zentraler Pfeiler des PPP-Markts, insbesondere für langfristig orientierte Anleger, die auf verlässliche Erträge setzen.

Bereiche mit geringer Relevanz für den PPP-Markt

Energieinfrastruktur

Ein Bereich, der im PPP-Markt bisher kaum Fuß gefasst hat, ist die Energieinfrastruktur. Hier existieren etablierte Finanzierungsmechanismen, die PPP-Projekte häufig schlicht überflüssig machen.

Dies gilt insbesondere für den Bereich der Energieerzeugung. In den Anfangsjahren der erneuerbaren Energien wurden Projekte über Einspeisetarife finanziert. Heute geschieht dies vielfach über langfristige Power Purchase Agreements (PPAs) oder regulierte Netzentgelte. Mit Blick auf den Bereich Energietransport zeigt sich ein etwas differenzierteres Bild: Strom- und Gasnetze spielten im PPP-Markt mehrheitlich ebenfalls eine untergeordnete Rolle. Sie erhalten über die Regulierungsbehörden definierte Eigenkapitalrenditen – wenngleich diese Renditen oft zu niedrig angesetzt sind, was Investoren in den letzten Jahren abschreckte. Beispiele für Projekte, die im Rahmen von PPP realisiert wurden, sind das OFTO-Regime in Großbritannien (OFTO steht für Offshore Wind Transmission Owner). Hier wurden die Offshore-Windenergie-Netzanschlüsse mittels PPP finanziert.

Insgesamt ist für PPP-Projekte im Bereich der Energieinfrastruktur – bis auf wenige Ausnahmen – kaum Raum: Die Strukturen sind entweder schon durch staatliche Regulierung definiert oder durch private Verträge effizient organisiert.

Batteriespeicher (BESS)

Ähnliches gilt für Batteriespeicherprojekte. Der Markt für Utility-Scale-Speicher wächst dynamisch, aber er ist fest in privater Hand. Kapital ist reichlich vorhanden: Private-Equity-Fonds, Infrastrukturmanager und sogar strategische Investoren engagieren sich massiv.

Da die Renditen im BESS-Bereich deutlich oberhalb klassischer PPP-Strukturen liegen können und private Investoren die Risiken bereitwillig tragen, besteht hier ebenfalls kein Bedarf für PPP-Projekte.

Digitale Infrastruktur – Glasfaser und Rechenzentren

Die digitale Infrastruktur gilt als potenzielles Wachstumsfeld. Hier muss allerdings differenziert werden: Glasfaserprojekte auf der einen Seite, Rechenzentren auf der anderen.

Glasfaser: Euphorie, Ernüchterung, Realität

Während der Corona-Jahre erlebte Glasfaser einen regelrechten Boom. Nahezu jedes Investitionskomitee winkte Projekte durch – es schien selbstverständlich, dass Glasfasernetze „das neue Gold“ seien. Der Fokus lag auf der Kennzahl Homes Passed, also auf der Länge der verlegten Leitungen und der Zahl der Haushalte, die technisch angeschlossen werden konnten.

Doch die Realität holte den Markt schnell ein. Viele Investoren stellten fest, dass Homes Passed noch keine Einnahmen bedeutet. Entscheidend sind Homes Connected (Kabel im Haus) und Homes Activated (Kunde schließt Vertrag ab). Viele Business Cases waren zu optimistisch kalkuliert. Investoren, die 2020 oder 2021 einstiegen, sehen sich heute mit flacheren Wachstumskurven konfrontiert.

Dennoch: Glasfaser bleibt ein attraktives Feld – wenn die Business Cases realistisch gestaltet sind. Für Investoren bedeutet das, parallel auch auf Homes Activated und Cashflow-Entwicklung zu achten, statt nur auf Ausbauzahlen.

Rechenzentren: Ein globaler Wachstumsmarkt?

Rechenzentren waren lange ein „Hype-Sektor“, befeuert durch Cloud-Computing und steigende Datenmengen. Zwischenzeitlich bremsten technologische Entwicklungen – etwa effizientere Speicherlösungen – die Euphorie. Große Hyperscaler wie Amazon oder Google fuhren Projekte zurück.

Doch dieser Dip erwies sich als temporär. Heute ist klar: Der Bedarf an Rechenzentren wächst weiter, insbesondere durch die KI-Revolution. Datenverarbeitungskapazitäten werden gebraucht – und zwar in einem Ausmaß, das private Märkte allein kaum stemmen können.

Investoren sehen hier stabile, langfristige Nachfrage. PPP-Strukturen sind im Rechenzentrumsbereich allerdings selten, da Hyperscaler ihre Projekte meist direkt finanzieren. Dennoch könnten staatliche Beteiligungen in ländlichen Regionen sinnvoll sein, wo sich der Bau ohne Unterstützung nicht rechnet.

Fazit zur digitalen Infrastruktur:

  • Glasfaser: interessant, aber nach anfänglicher Euphorie realistische Business Cases erforderlich.
  • Rechenzentren: hochattraktiv, aber primär durch private Finanzierungen getrieben. PPP könnte gezielt dort eine Rolle spielen, wo Marktlösungen nicht ausreichen.

Zwischenfazit

Die klassischen Sektoren im PPP-Markt sind Transport- und soziale Infrastruktur. Sie bieten Investoren stabile, planbare Cashflows, die sich besonders für Lebensversicherungen, Pensionskassen und Banken eignen.

Andere Sektoren wie Energie, Speicher und digitale Infrastruktur sind dagegen von anderen Finanzierungsmodellen geprägt. Sie spielen im PPP-Markt keine Rolle – und werden auch in absehbarer Zeit kaum eine Rolle spielen.

Für die Politik bedeutet dies, dass Förder- und Investitionsanreize gezielt in die Bereiche gelenkt werden sollten, in denen PPP-Projekte einen Mehrwert schaffen – also dort, wo staatliche Zahlungsströme planbar sind und private Investoren einen klar definierten Risikoteil übernehmen können.

Welche Segmente könnten künftig an Bedeutung für den PPP-Markt gewinnen?

Defence und Spezialprojekte

Lange Zeit galt der Bereich Verteidigung als Tabuthema im PPP-Markt. Kasernen, militärische Logistik oder gar Flugzeugleasing über PPP-Projekte galten als politisch heikel und gesellschaftlich nicht vermittelbar. Investoren hielten sich bewusst heraus, auch weil man sich nicht mit Projekten in Verbindung bringen wollte, die potenziell in militärischen Konflikten eingesetzt werden könnten.

Doch die geopolitische Lage seit 2022 hat diese Sichtweise verändert. Mit dem Krieg in der Ukraine wurde klar, dass Europa in seiner Verteidigungsfähigkeit unterinvestiert ist – auch in die physische Infrastruktur. Folgende Segmente könnten künftig im PPP-Markt eine Rolle spielen:

  • Kasernen und Ausbildungsstätten: Von der Logik her kaum anders zu strukturieren als eine Universität oder ein Krankenhaus. Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb können in einem PPP-Vertrag geregelt werden, während der Staat Verfügbarkeitsentgelte zahlt.
  • Militärische Logistik und Leasingstrukturen: Beispiele wie Betankungsflugzeuge, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können, zeigen, dass PPP-Projekte auch in Dual-Use-Szenarien denkbar sind. Der Staat profitiert von planbaren Kosten, Investoren von stabilen Cashflows.

Die Haltung vieler Investoren ist heute weniger dogmatisch: Zwar bleiben umstrittene Investitionsobjekte wie Streubomben oder offensive Waffensysteme tabu, doch reine Infrastruktur wird zunehmend als gesellschaftlich notwendige Aufgabe verstanden.

Kommunale Infrastruktur und Stadtwerke

Traditionelle Finanzierung stößt an Grenzen

Historisch haben Stadtwerke ihre Investitionen – etwa in Wärmenetze, Wasserver- /-entsorgung, Abfallentsorgung oder Energieinfrastruktur – häufig über regionale Sparkassen und Genossenschaftsbanken finanziert. Diese enge Verankerung vor Ort war lange ein Erfolgsmodell.

Doch die Rahmenbedingungen haben sich verändert:

  • Steigende Investitionsvolumina: Energiewende, Dekarbonisierung und Modernisierung der Infrastruktur treiben den Bedarf in nie dagewesenem Umfang. Studien von BDEW/VKU beziffern den Investitionsbedarf bis 2030 auf über 700 Mrd. EUR.
  • Grenzen der Verschuldung: Viele Stadtwerke haben ihre Bilanzspielräume bereits stark genutzt; neue Kredite sind schwerer darstellbar.
  • Restriktivere Bankenwelt: Strengere regulatorische Anforderungen (Basel IV, Eigenkapitalregeln) und höhere Risikoprämien erschweren die Finanzierung zusätzlich.

Potenzial für staatliche Gelder

Bund und Länder stellen große Fördertöpfe für Wärmenetze, Energieeffizienz und Netzausbau bereit. Förderprogramme wie das „Bundesförderprogramm effiziente Wärmenetze“ oder Transformationsfonds können Stadtwerken den Zugang zu Kapital erleichtern. Allerdings sind die Mittel projektbezogen, an Vorgaben gebunden und oft nicht in der Größenordnung, die die Gesamtfinanzierungslücke schließen könnte.

Zwei zentrale Herausforderungen für private Investoren

  • Fehlende Standardisierung: Projektverträge sind oft individuell zugeschnitten. Das erschwert es institutionellen Anlegern, Prozesse effizient zu skalieren. Standardisierte Strukturen – wie bei klassischen PPP – fehlen häufig noch.
  • Politische Unsicherheit: Kommunalpolitik unterliegt häufigen Veränderungen. Bürgermeister*innen und Ratsmehrheiten wechseln, Projekte können gestoppt oder verzögert werden. Für Investoren bedeutet das erhöhte Unsicherheit.

Was nötig wäre

Damit Stadtwerke stärker privates Kapital mobilisieren können, braucht es:

  • standardisierte Vertragsmodelle für Wärme-, Netz- und Infrastrukturprojekte,
  • unabhängige Financial Advisor, die zwischen Kommunen und Investoren vermitteln,
  • klare politische Rückendeckung auf Landes- und Bundesebene, die Kontinuität gewährleistet.

Fazit zur Finanzierung von kommunaler Infrastruktur und Stadtwerke

Kommunale Infrastruktur bleibt für Investoren ein herausfordernder Markt. Einzelprojekte können attraktiv sein, wenn Stadtwerke professionell strukturiert an den Markt gehen. Für großvolumige, skalierbare Fondsstrategien fehlt es derzeit jedoch noch an Harmonisierung.

Die Politik könnte hier ansetzen: Durch Rahmenwerke und Standardisierung, die gemeinsam mit privaten Investoren entwickelt werden, könnten Stadtwerke leichter Zugang zu privatem Kapital erhalten. Ohne solche Strukturen bleibt der Markt fragmentiert und investorenunfreundlich – trotz des enormen Investitionsbedarfs.

Herausforderungen für den PPP-Markt

Geringer Deal Flow

Eines der größten Probleme des PPP-Marktes ist der aktuell vergleichsweise geringe Deal Flow. Investoren sehen zwar das attraktive Rendite-/Risikoprofil, doch es fehlt schlicht an so zahlreichen PPP-Projekten, wie wir sie aktuell im Energiebereich sehen.

Hinzu kommt, dass die Zahl der spezialisierten Asset Manager überschaubar ist. Viele der Pioniere, die PPP-Projekte in den 1990er- und 2000er-Jahren entwickelt haben, sind mittlerweile aus dem operativen Geschäft ausgeschieden. Jüngere Generationen wurden kaum aufgebaut. Das führt dazu, dass Expertise in der Fläche fehlt und der PPP-Markt in einer Art Warteschleife verharrt.

Komplexität und Bürokratie

PPP-Projekte sind komplex. Sie erfordern detaillierte Vertragswerke, die Bau, Finanzierung, Betrieb und Risiken über Jahrzehnte hinweg regeln. In Ländern mit starren Ausschreibungsverfahren – wie Deutschland – führt das oft zu lähmender Bürokratie.

Beispiel: Die deutsche Autobahngesellschaft (DGS) vergibt Ausschreibungen meist in stark formalisierten Verfahren, bei denen Dialog kaum vorgesehen ist. Fragen dürfen nur schriftlich gestellt werden, aus Angst vor Vorwürfen, das Ausschreibungsverfahren hierdurch beeinflusst zu haben. Das Ergebnis sind oft starre Vertragswerke, die weder den Bedürfnissen des Staates noch der Investoren optimal entsprechen.

Ganz anders Irland: Dort pflegt die Vergabestelle einen offenen Dialog mit Investoren und Bauunternehmen. Fragen werden telefonisch beantwortet, Gestaltungsvorschläge aktiv aufgenommen. Dadurch entstehen pragmatischere Verträge und mehr Vertrauen zwischen den Parteien.

Politische Unsicherheit

Die Entwicklung des PPP-Marktes ist stets von politischen Rahmenbedingungen abhängig. Ob es um Detail einer Autobahnfinanzierung oder um Ausschreibungsdesigns im Hochbau geht: Wenn die Politik keine attraktiven Rahmenbedingungen für den PPP-Markt setzt, ziehen sich Investoren zurück. Kapital ist mobil – es fließt dorthin, wo es die besten Bedingungen findet.

Rendite-/Risikoprofil

Projekte im PPP-Markt bieten im Kern ein stabiles Rendite-/Risikoprofil. Besonders für Versicherungen und Pensionskassen sind sie interessant, weil:

  • Stabile Renditen: Eigenkapitalrenditen liegen meist bei 5–8 %. Nicht spektakulär, aber konstant.
  • Überschaubare Risiken: Bei Hochbauprojekten beschränken sich Verfügbarkeitsabzüge auf wenige Faktoren (Strom, Wasser, Abwasser, Heizung, Reinigung). Wenn diese erfüllt sind, fließen die Entgelte zuverlässig.
  • Prämien: Investoren profitieren von zusätzlichen Illiquiditäts-, Komplexitäts- und Duration-Prämien.

Damit ähneln Investments im PPP-Markt eher einer „verlängerten Staatsanleihe“ – mit höherer Verzinsung und langfristigen Cashflows.

PPP-Markt in der Praxis: Positive und negative Erfahrungen

Spanien: Gescheiterte Mautstraßen

Ein Negativbeispiel sind die Ringstraßen um Madrid. Dort basierten die Finanzierungen auf Mautmodellen. Ende der 1990er und Anfang der 2000er startete Spanien mehrere Maut-PPP-Projekte rund um Madrid. Sie basierten auf optimistischen Verkehrsprognosen und privaten Finanzierungskonstruktionen mit Nachfragerisiko. Nach der Finanzkrise brach der Verkehr stark ein, die Baukosten stiegen, und viele Konzessionen gerieten zwischen 2012 und 2016 in Insolvenz – Investoren wie Banken verloren hohe Summen.

Ab 2018 übernahm der Staat die insolventen Strecken über die Gesellschaft SEITTSA. Nach dem spanischen Haftungsprinzip (RPA – Responsabilidad Patrimonial de la Administración) mussten Milliarden an Ausgleichszahlungen an private Betreiber geleistet werden. Die Strecken werden seither staatlich betrieben; ihre wirtschaftliche Performance blieb jedoch schwach.

Der Fall der „Radiales“ um Madrid gilt heute als Negativbeispiel für fehlerhafte Risikoverteilung in PPPs. Er hat die Marktstruktur in Spanien und Europa nachhaltig verändert: Projekte mit Nachfragerisiko gelten seither als kaum finanzierbar, während Availability-Modelle mit festen Zahlungen der öffentlichen Hand klar bevorzugt werden.

Irland: Vorbildlicher Dialog

In Irland werden Ausschreibungen mit großem Pragmatismus gestaltet. Investoren können frühzeitig Fragen stellen, Gestaltungsvorschläge einbringen und werden ernst genommen. Das führt zu Verträgen, die besser auf die Praxis zugeschnitten sind.

Ein Investor berichtete etwa, dass er nach einer schriftlichen Frage unmittelbar zurückgerufen wurde: „Warum schickst du das schriftlich, ruf doch einfach an – was wollt ihr wissen?“ Dieser offene Dialog schuf Vertrauen und half, Projekte schneller und effizienter umzusetzen.

Ein Beispiel dafür ist das Schools Bundle Programme, bei dem in mehreren Phasen landesweit Schulgebäude über PPP realisiert wurden. Dort setzte Irland konsequent auf frühe Marktansprache und iterative Bieterdialoge, um technische und finanzielle Fragen vor der Ausschreibung zu klären. Diese Offenheit führte zu reibungslosen Finanzierungen, klaren Risikoabgrenzungen und einer hohen Zufriedenheit bei Investoren – ein Modell, das Irland zu einem der besten europäischen PPP-Beispiele für partnerschaftliche Beschaffungsprozesse machte.

Deutschland: Formale Strenge

In Deutschland dagegen herrscht eine formale Strenge. Aus Angst vor Manipulationsvorwürfen werden Ausschreibungen strikt formalisiert. Der Dialog zwischen Behörden, Bauunternehmen und Investoren bleibt aus bzw. ist auf ein Minimum reduziert. Das führt zu Verträgen, die zwar rechtlich unangreifbar sind, aber inhaltlich oft unflexibel und schwerfällig.

Ein typisches Beispiel ist ein kommunales Schul-PPP, bei dem der Auftraggeber nur zwei schriftliche Bieterfragerunden zulässt, keine technischen Nebenangebote akzeptiert und einen nicht verhandelbaren Mustervertrag (hundert Seiten plus Anhänge) vorgibt. Schnittstellenrisiken – etwa zu Bestandsgebäuden oder Medienleitungen – bleiben vollständig beim privaten Partner, obwohl Details (Leitungspläne, Schadstoffgutachten) noch unvollständig sind. Weil keine frühen Fachgespräche stattfinden, tauchen während der Ausführungsplanung Lücken auf, die nur über formale Nachträge geschlossen werden können – rechtlich sauber, in der Praxis aber langsam, teuer und unflexibel.

Zwischenfazit

PPP ist ein attraktives Instrument – aber nur dort, wo der Staat pragmatisch mit Investoren zusammenarbeitet. Beispiele wie Irland zeigen, wie der PPP-Markt funktionieren kann, wenn Planung, Vergabe und Finanzierung auf Kooperation statt Konfrontation setzen.

Für Deutschland könnte ein Wandel im Ausschreibungsdesign entscheidend sein. Statt starrer Formalismen wären dialogorientierte Verfahren sinnvoll, um Investoren frühzeitig einzubinden, Vertrauen zu schaffen und den PPP-Markt langfristig zu beleben. So ließe sich privates Kapital gezielter für öffentliche Infrastrukturprojekte aktivieren.

Volkswirtschaftliche Perspektive für PPP-Projekte

Ein Kritikpunkt begleitet Projekte im PPP-Markt seit jeher: Es sei für den Staat teurer, Infrastruktur über PPP zu finanzieren als über klassische Staatsanleihen. Diese Sichtweise ist grundsätzlich richtig – aber nur ein Teil der Wahrheit.

Höhere Finanzierungskosten

Staaten können sich über ihre Haushalte günstiger verschulden als private Gesellschaften. Ein PPP-Projekt kombiniert dagegen Eigenkapitalrenditen von Investoren mit Fremdkapitalkosten von Banken und Debt Funds. Daraus resultiert ein höherer Gesamtkostensatz.

Bedarfs- und haushaltsgerechte Finanzierung

Doch PPP-Projekte bringt einen entscheidenden Vorteil: Die Zahlungen sind bedarfsgerecht über die gesamte Nutzungsdauer gestreckt. Der Staat muss nicht einen „Finanzierungsblock“ auf einmal stemmen, sondern zahlt über 20–35 Jahre in Form von Verfügbarkeitsentgelten.

Dadurch entsteht eine Art Leasing- oder Kreditfinanzierung, die sich mit den gleichmäßigen Einnahmen des Staates deckt. Anders gesagt: Der PPP-Markt sorgt dafür, dass Ausgaben- und Einnahmenseite des Haushalts stärker „gematched“ werden.

Effizienz durch private Disziplin

Ein zweiter Vorteil liegt in der Einbindung privater Unternehmen. Bauunternehmen und Investoren bringen eine andere Kosten- und Zeitdisziplin mit als öffentliche Auftraggeber. Beispiele wie die Elbphilharmonie oder der Flughafen BER zeigen, wie sehr Großprojekte ohne klare Kostenkontrolle aus dem Ruder laufen können.

Bei PPP-Projekten sorgt die private Seite für eine straffere Projektführung. Zwar gibt es keine Garantie, dass immer alle Kosten eingehalten werden – doch die Wahrscheinlichkeit ist deutlich höher, dass Budget und Zeitrahmen eingehalten werden. Und wenn es dann trotzdem zu einer Kosten- und/oder Zeitüberschreitung kommt, dann haftet hierfür der private Bauunternehmer und nicht die öffentliche Hand.

Abwägung: PPP ist teurer, aber effizienter.

Damit ergibt sich ein differenziertes Bild:

  • Ja, PPP ist für den Staat teurer in Bezug auf die reinen Finanzierungskosten.
  • Aber: PPP bietet eine bedarfsgerechte, haushaltsfreundliche Zahlungsstruktur.
  • Zudem erhöht es die Wahrscheinlichkeit, dass Projekte im Kosten- und Zeitrahmen bleiben – was langfristig die Mehrkosten oft übersteigt.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht lässt sich zweifelsfrei konstatieren, dass die Opportunitätskosten fehlinvestierter oder verspäteter Projekte (z. B. durch jahrelange Verzögerung bei Bau und Betrieb) höher sind als die Finanzierungskosten durch PPP. Hier liegt ein Mehrwert, der in politischen Diskussionen oft unterschätzt wird.

Rolle des Staates und Investoren im PPP-Markt

Erwartung der Investoren

Investoren beurteilen PPP-Projekte nicht aus der gesellschaftspolitischen Perspektive, sondern nach Risiko-/Renditegesichtspunkten. Sie erwarten ein funktionierendes Regelwerk:

  • klar definierte Ausschreibungsprozesse,
  • realistische Renditeerwartungen,
  • transparente Risikoteilung.

Wenn diese Rahmenbedingungen nicht gegeben sind, investieren sie schlicht anderswo. Kapital ist flüssig und flüchtig. Es sucht sich den attraktivsten Markt.

Beispiel Autobahn A1 in Deutschland: Das PPP-Projekt A1 Mobil zwischen Hamburg und Bremen gilt als Lehrbeispiel für Fehlanreize im deutschen PPP-Markt. Das private Konsortium A1 Mobile übernahm den Ausbau und Betrieb der Autobahn und sollte sich über Lkw-Mauterlöse refinanzieren. Nach der Finanzkrise brachen jedoch die Verkehrszahlen ein – die Einnahmen blieben weit hinter den Prognosen.

A1 Mobil forderte vom Bund rund 780 Mio. EUR Entschädigung, da die wirtschaftliche Grundlage entfallen sei. Gerichte wiesen die Klage ab: Das Nachfragerisiko liege vertraglich beim Betreiber. Damit zeigte der Fall die Schwächen des damaligen PPP-Designs – unrealistische Renditeerwartungen, asymmetrische Risikoteilung und fehlende Anpassungsmechanismen.

Für Investoren war das ein Warnsignal: Ohne transparente Regeln und ausgewogene Risikoallokation verliert der PPP-Markt an Attraktivität – Kapital fließt dann in besser strukturierte Modelle mit planbaren Verfügbarkeitsvergütungen.

Rolle der Politik

Für die Politik ist der PPP-Markt ein Balanceakt. Einerseits möchte sie die Kosten im Griff behalten und nicht den Vorwurf überhöhter Zahlungen an private Investoren riskieren. Andererseits ist klar: Ohne private Beteiligung lassen sich viele Infrastrukturprojekte nicht finanzieren oder umsetzen.

Die entscheidende Aufgabe der Politik besteht darin, Rahmenbedingungen für einen PPP-Markt zu schaffen, die Investoren anziehen. Dazu gehören:

  • angemessene Vergütungen,
  • klare (regulatorische) Strukturen,
  • effiziente Genehmigungsverfahren.

Wenn diese nicht gegeben sind, bleibt der jeweilige PPP-Markt unattraktiv.

Pragmatismus ist gefragt: Aus Sicht der Investoren spielt es keine Rolle, ob ein Projekt in Deutschland, Irland oder anderswo realisiert wird. Wichtig ist, dass die Bedingungen im nationalen PPP-Markt stimmen. Wenn deutsche Behörden an starren Formalismen festhalten, wird Kapital in andere Länder abfließen.

Dies verweist auf eine zentrale Erkenntnis: PPP ist nicht nur ein Finanzierungsmodell, sondern auch ein Wettbewerb der Standorte. Länder, die attraktive Rahmenbedingungen für ihren PPP-Markt bieten, gewinnen den „War for Capital“. Länder, die dies nicht tun, riskieren, ihre Infrastrukturziele zu verfehlen.

Zwischenfazit

PPP ist für den Staat zunächst einmal isoliert betrachtet teurer als klassische Staatsfinanzierung – aber effizienter in Planung, Umsetzung und Haushaltssteuerung. Die Effizienz überkompensiert aber die höheren Finanzierungskosten.

Für den Bund heißt das: Rahmenbedingungen müssen so gestaltet sein, dass Investoren PPP als attraktiven Teil ihres Portfolios sehen. Für Kommunen gilt: Ohne Standardisierung und klare Strukturen werden die zur Verfügung stehenden Gelder hinter dem Kapitalbedarf zurückbleiben.

Zusammenfassung und Ausblick für den PPP-Markt

Drei Kernfelder im PPP-Markt

  1. Transportinfrastruktur: Verfügbarkeitsmodelle im Straßenbau bleiben das Rückgrat von PPP. Stabile Renditen, kalkulierbare Risiken und langfristige Cashflows machen sie für Investoren ideal.
  2. Soziale Infrastruktur: Schulen, Krankenhäuser, Gerichtsgebäude – klassische PPP-Felder mit klarer Logik und hoher Attraktivität für Versicherungen und Pensionskassen.
  3. Defence-Infrastruktur: Seit 2022 zunehmend akzeptiert. Kasernen und logistische Strukturen könnten ein neues Wachstumsfeld werden, wenn geeignete Fondsvehikel entstehen.

Sektoren mit geringer Relevanz für den PPP-Markt

  • Energie und Speicher: Hier gibt es ausreichend private Finanzierungen, PPP spielt keine Rolle.
  • Digitale Infrastruktur: Chancen bei Glasfaser (ländliche Räume) und vereinzelt bei Rechenzentren, aber kein flächendeckender PPP-Markt.

Chancen und Risiken für PPP-Investoren

  • Chancen: stabile Rendite-/Risikoprofile, Illiquiditäts- und Komplexitätsprämien, langfristige Cashflows.
  • Risiken: geringer Deal Flow, politische Unsicherheit, komplexe Vertragswerke.

Politische Weichenstellungen, die für den PPP-Markt entscheidend sind

Ob PPP zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten künftig stärker genutzt wird, hängt von politischen Rahmenbedingungen ab:

  • Werden Ausschreibungsverfahren dialog-orientierter gestaltet?
  • Werden Renditeerwartungen realistisch berücksichtigt?

Investoren sind bereit, Kapital bereitzustellen – wenn die Konstrukte professionell und wettbewerbsfähig gestaltet sind. Tun Staaten dies nicht, fließt Kapital in andere Sektoren oder andere Länder.

Gesamtbewertung

PPP zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten ist kein Allheilmittel. Es ist – isoliert auf die reine Finanzierung bezogen – teurer als eine reine Staatsfinanzierung, kann aber effizienter und haushaltsfreundlicher. PPP eignet sich vor allem dort, wo Verfügbarkeitsentgelte klare Cashflows ermöglichen und private Disziplin Effizienzgewinne bringt.

In Zukunft wird PPP am ehesten in den drei folgenden Anwendungsfeldern von Bedeutung sein:

  • Transportinfrastruktur,
  • soziale Infrastruktur,
  • Defence-Infrastruktur.

Andere Bereiche bleiben von privaten Finanzierungen dominiert. Entscheidend wird sein, ob Politik und Verwaltung die richtigen Rahmenbedingungen schaffen – und ob Investoren bereit sind, gesellschaftliche Verantwortung mitzutragen.

Fazit

Der PPP-Markt bewegt sich zwischen Kontinuität und Wandel. Kontinuität in den klassischen Sektoren, Wandel durch neue geopolitische Realitäten und den wachsenden Bedarf an moderner Infrastruktur.

PPP bleibt ein Nischeninstrument – aber eines mit großer Wirkung, wenn es richtig eingesetzt wird. Für Investoren bedeutet das: selektiv Chancen nutzen, langfristig denken, und auf Länder setzen, die pragmatische, transparente und verlässliche Strukturen bieten.


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